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Möglicherweise habt Ihr ja von uns Seglern diese Vorstellung von einem Leben in einem nie endenden Rundumglücklich-Angebot. In traumhaften Inselwelten bei angenehmsten Temperaturen leicht bekleidet das Leben zu geniessen. Die Füsse im Wasser baumelnd einen KISU-Special schlürfend, nebenan springen die Delfine, am Strand tanzen sie in Baströcken Hula-Hula Tänze. Dabei sich mit einem abgeklärten Lächeln erinnernd wie man sich vor Jahren im Büro abrackerte. Ha!
Natürlich gibt es diese Momente auch mal. Jedoch hier in Tahiti wurden wir mal wieder daran erinnert, dass das Leben eben nicht nur ein andauernder Südseetraum sein kann.

Nach den flachen Inselatollen der Tuamotus wurde die Bordfrau beim Anblick der Bergwelt Tahitis fast erschlagen. Bereits Stunden im Voraus war die Insel auszumachen und gleich daneben die nächste Gesellschaftsinsel Morea. Trotz der noch hohen Berge im Inselinnern hat Tahiti bereits ein Korallenriff ringsherum. Um den Alterungsprozess von der Insel zum Atoll nochmals aufzugreifen, sind die Gesellschaftsinseln im Vergleich mit den Marquesas (welche noch Babys sind) und den Tuamotus (welche schon Rentner sind) voll im Erwachsenenleben samt Midlifecrisis 😉

Wir waren etwas aufgeregt bei unserer Ankunft, den diesmal galt es durch eine markierte Einfahrt hinter den Korallenring zu gelangen und gleichzeitig sich beim Tower des Flughafens zu melden, da wir die Start- bzw. Landebahn der Flugzeuge queren würden.
Kurz vor der Einfahrt ereilte uns die Mitteilung aus der Schweiz, dass unser jüngstes Enkelkind Neela nach nur vier Monaten diese Welt schon wieder verlassen musste. Der Verlust ging uns sehr nahe auch wenn wir die kleine Prinzessin nie in unseren Armen halten konnten. Wie viel schmerzlicher muss es für unsere Lieben zu Hause gewesen sein und wir hätten uns gewünscht, jetzt bei ihnen sein zu können.

Kaum waren wir innerhalb des Korallenriffs, riefen wir den Tower auf und erhielten die Durchfahrtsgenehmigung für KISU mit dem Hinweis uns vor der anderen Seite der Landebahn erneut zu melden. Während wir neben der Start-/Landebahn entlangfuhren, hatten wir die Gelegenheit, ein Flugzeug bei seinem Start aus nächster Nähe (ca. 300m entfernt) zu erleben. Beeindruckend. Auf der anderen Seite der Landebahn meldeten wir uns wieder brav beim Tower und diesmal hiess es ‘stoppt die Maschine und wartet! ’ Als das Flugzeug knapp an uns vorbei donnerte, wurde uns erst richtig bewusst, dass es möglich wäre, dass der Flieger uns streifen könnte. Nach dessen Landung erhielten wir die Erlaubnis nun passieren zu dürfen.
Kurz darauf liessen wir den Anker, in die mit ca. einhundert anderen Segelbooten bevölkerte Bucht rund um die Marina Taina fallen. Was für ein Anblick, nachdem in den vergangenen zwei Monaten mehr als fünfzehn Schiffe am selben Platz schon einem Massenandrang gleichkamen 😉
Beim Grosssegel ins Lazybag einpacken, entdeckten wir die nächste Schadstelle im Segel. Nachdem wir in Fakarava bereits ein Loch mit Segelreparaturstücken geflickt hatten, finden wir nun die nächste Bruchstelle, durch die wir hindurch sehen können ☹ Wir können einfach nur hoffen, dass das Gross noch bis Neuseeland durchhält, da wir nicht die Zeit haben ein neues Grosssegel machen zu lassen.

Die Umgebung und die Nachbarschaft gefiel uns und als OLENA und SERENITY hier eintrafen, gab es natürlich ein grosses Wiedersehen und mit Sundowner-Einladungen wurde es auch immer wieder gebührend gefeiert. Wir lernten auch neue Schweizerboote kennen: mit Jocelyne und Roland von der CROIX DU SUD durften wir mit in ihrem Mietauto nach Papeete mitfahren, um eine Zollbefreiung für Diesel bei der Zollbehörde abzuholen. Dass wir zugleich noch diverse Shipchandler abklapperten brachte den Skipper natürlich zum Strahlen 😊
Sandra und Franz von der KYORY sind ein sehr aufgestelltes Vater-Tochter-Gespann aus Luzern. Sie waren die ersten auf unserer Reise, die wie wir erst sehr spät mit dem Segeln angefangen haben. Der Sundowner mit ihnen war richtig toll und wir waren von Anfang an auf gleicher Wellenlänge. Nur schade, dass sie noch eine weitere Saison in den Gesellschaftsinseln verweilen werden. Somit war unser Kennenlernen leider auch zugleich wieder ein Abschied nehmen.

Unser direkter Nachbar (ein Franzose von der aussergewöhnlich netten Sorte) führt eine Werkstatt für Bordelektrik. Somit wurde er vom Skipper angeheuert, sich unsere defekte Winsch mal anzuschauen. Alexander konnte die Winsch auch prompt reanimieren. Ob wir noch mehr Arbeit für ihn zu erledigen hätten? Nun wir wollten ihn nicht mit der inzwischen ellenlangen Liste der To do’s erschlagen. Aber ein Problemchen hätten wir noch: die WIFI Antenne zuoberst auf dem Mast ragt nicht mehr dem Himmel entgegen, sondern hängt so lustlos in der Gegend herum. Kaum erwähnt, schwang sich Alexander auch schon in den Bootsmannstuhl und liess sich vom Skipper die zwanzig Meter hochziehen und mit Tape konnte die Antenne wiederaufgerichtet werden. Alexander entdeckte beim Herunterlassen, dass bei der unteren Saling Risse im Material vorhanden waren ☹ Das sollten wir uns doch von einem Rigger checken lassen. Der Rigger ist jedoch leider für die nächsten Wochen in Urlaub – naja, auch Arbeitsbienen haben sich das verdient. Und wir hoffen erneut, dass die Saling bis Neuseeland hält!

Einen schönen Ausflug machten wir mit dem ÖV-Bus nach Papeete. Galt es doch für die Bordfrau eine der berühmten schwarzen Südseeperlen zu erstehen, wenn man schon mal vor Ort war. Die Perlengeschäfte reihten sich in jeder Strasse dicht aneinander. Die Qual der Wahl war vorprogrammiert und zu guter Letzt hat der Skipper für sich eine ‘tätowierte’ grüne Perle erstanden (die schwarzen Perlen sind sauteuer) während die Bordfrau sich natürlich nicht entscheiden konnte beziehungsweise es nicht im Budget eingeplant war zweieinhalbtausend Dollar für eine Perle auszugeben. Wir werden das Geld dann wohl eher in ein neues Grosssegel stecken müssen 😊

Einen zweiten Ausflug nach Papeete machten wir eher ungewollt. Der Keilriemen von der Lichtmaschine hatte eine Scheuerstelle und die beiden Ersatzkeilriemen, die wir seit Wemeldinge mit uns führen sind zu kurz ☹ Wer rechnet denn mit sowas! Egal, kaufen wir halt einen neuen – Denkste! Nach vergeblichen 10 Kilometer zu Fuss im gesamten Industriequartier herum stehen wir noch immer ohne neuen Keilriemen da. Nun denn: hoffen wir, dass der alte Keilriemen noch bis Neuseeland hält!
Langsam wird diese Aussage zu unserem Standardsatz.

Ein für uns ganz witziges Erlebnis war der Besuch eines Flohmarktes direkt neben unserem Ankerplatz. Es handelte sich nicht um einen ‘Ramsch-Flohmarkt’ sondern es wurden vorwiegend sehr gut erhaltene Dinge angeboten. Während wir nun so durch die Stände schlendern, entdecken der Skipper und die Bordfrau fast gleichzeitig einen Emil-Hasen. Den mussten wir haben und für lächerliche 3 Dollar haben wir unsere faule Crew nun um ein Mitglied (zumindest bis Neuseeland) erweitert.

So zogen unbemerkt zwei Wochen ins Land und dank zahlreichen Einkäufen im Carefour von Wein über Bier und Brie und Baguette bis hin zu Pampelmusen konnten wir unsere Vorräte wieder auffüllen.
Und fast nicht zu glauben: beim dritten Besuch in Papeete zwecks Ausklarieren aus Französisch Polynesien fand doch auch die Bordfrau noch eine Perle welche am Pandora-Armband getragen werden kann 😊
Von OLENA hiess es endgültig Abschied zu nehmen, bleiben sie doch noch eine weitere Saison in Französisch Polynesien. Bleibt gesund, habt viel Spass und allzeit gute Fahrt. Wir sehen uns irgendwann in der Schweiz wieder!

Und wir – wir machen uns auf zur fünftägigen Überfahrt zu den Cook Islands und hoffen auf Wind…..

Gaby