Ist das nicht eine wunderbare Nachricht.

Nun gut, vielleicht schmälert es die Freude bei euch Bloglesern ein bisschen, dass der Skipper Markus und die Bordfrau Gaby nicht mehr bei den neuen Abenteuern auf den Weltmeeren dabei sein werden 😉

Doch alles der Reihe nach:

Die sechs Wochen Lockdown hier in Neuseeland waren auf KISU einerseits geprägt von einer gewissen Lethargie bei der wir schlicht in den Tag hinein lebten und andererseits mit unzähligen Stunden welche in die Vorbereitungen für den Verkauf von KISU investiert wurden. Wie vom Skipper nicht anders zu erwarten, wurde das Schiff von vorne bis hinten akribisch durchforstet, anschliessend kategorisiert und dann katalogisiert in ‘gehört zum Schiff’ – ‘wird an Segler verkauft’ oder ‘kommt zurück in die Schweiz’. Für all die Sachen, welche verkauft werden sollen haben wir bei der Marina eine Lager Box hinzumieten können. Schnell war diese Box mit dem Tauchequipment, den Fahrrädern, der grossen Kühlbox, dem Bananaboot und tausend anderen Sachen gefüllt.

Den Gang zum Makler konnten wir erst nach der ersten Lockerung von Level 4 auf Level 3 am 28. April durchführen. Dafür war der Skipper aber auch schon perfekt vorbereitet mit seiner KISU-Broschüre und den passenden Fotos dazu. Am 07. Mai unterschrieben wir beim Makler Robbs von 36°Degrees den Vertrag, damit er unser Schiff zum Verkauf ausschreiben soll. Nun konnten wir uns bequem zurück lehnen – na gut, das Schiff wurde natürlich noch auf Hochglanz geputzt, damit potentielle Käufer einen guten ersten Eindruck erhielten. Zwei Wochen später am 13. Mai wurde Level 2 in Neuseeland ausgerufen. Dadurch war auch Reisen innerhalb Neuseelands wieder erlaubt und es könnten sich Schiffsinteressenten auf den Weg zu KISU machen.

Was sollten wir nun mit all der Zeit anfangen, bis dann endlich einmal ein Käufer auftauchen wird. In dieser schwierigen Zeit stehen die ja bestimmt nicht Schlange am Pier, um KISU zu kaufen. Denkste! Bereits am Montag dem 18. Mai, eine Stunde bevor wir KISU erneut an Land stellen wollten, kam Robbs mit zwei Herren zur Besichtigung vorbei. Sie waren aber nicht ernsthaft interessiert. Zwei Tage später teilte uns Robbs mit, dass ein neuseeländisches Ehepaar sich KISU anschauen würde, wir müssten dafür aber nicht anwesend sein. War uns auch recht, denn während KISU nun an Land steht haben wir uns im Nachbarort Paihia in einem Motel eingemietet.

Trotzdem gehen wir natürlich täglich bei KISU vorbei, um zu kontrollieren, wie und dass auch gearbeitet wird. Diese Kontrolle ist nötig, denn die Arbeiter vom Yard haben mal wieder Mist gebaut. Der erste Besitzer von KISU hatte seinerzeit auf den Rumpf des Schiffes eine spezielle Folie zum Schutz anbringen lassen. Nun war es an der Zeit diese Folie abzunehmen damit KISU noch schicker anzuschauen ist. Noch nie hatten die Yard-Arbeiter so etwas zu Gesicht bekommen und obwohl wir ihnen versicherten, dass die Folie sich ohne grosse Leimrückstände entfernen lasse, hatten sie nichts Besseres zu tun als die Folie mit Gewalt abzureissen 😲 und somit war zwar die Folie auf der rechten Seite ab aber sämtlicher Leim noch auf dem Rumpf. Der Chefarbeiter meinte dann zu uns, dass es ca. vier Tage dauern würde bis alleine die Folie und anschliessend der Leim entfernt sein würde. Das erhöht die Kosten natürlich enorm und so entschied der Skipper (nein, die Bordfrau hatte nichts zu sagen), dass wir am nächsten Tag zur Mithilfe antreten würden. Voll motiviert (allen voran die Bordfrau 😉) fanden wir uns pünktlich um 10:00 Uhr ein, und kurz darauf (11:00 Uhr) kam der Chef mit Lappen und passendem Leimentferner auch schon dazu, um uns den Reinigungsvorgang zu zeigen. Alles klar und so ging die KISU-Crew ans Werk. Ungefähr eineinhalb Stunden später hatten wir von 14 Metern Gesamtlänge noch keinen Meter geschafft. Die Stimmung der Bordfrau fiel stetig weiter in Richtung Gefrierpunkt. Während einer Pause versuchten wir die noch auf der linken Schiffsseite vorhandene Folie abzulösen, um zu sehen, ob wirklich der Leim auf dem Rumpf bliebe. Und siehe da, wenn man nur langsam und mit Gefühl an der Folie zog, kam ein nigelnagelneuer Rumpf zum Vorschein. Daher entschieden wir uns statt zu reinigen die Folie abzuziehen. Glaubt nun nicht, dass das easy gewesen wäre, dafür aber wesentlich erfolgreicher. Nach einem Nachmittag und dem nächsten Morgen erstrahlte die linke Seite in neuem Glanz. Die rechte Seite dürfen nun die Yard-Arbeiter reinigen.

Das an KISU interessierte Ehepaar trafen wir am Mittwoch zufällig nach ihrer Besichtigung auf dem Yard. Was für sympathische Leute – sie entschuldigten sich fast bei uns, dass unsere Reise durch die Covid-19-Umstände zu Ende sei, auch wenn sie dadurch das Schiff nun kaufen könnten. Auch sonst waren sie voll des Lobes über KISU und wir hatten einen netten Plausch mit ihnen.
Eine Stunde später rief uns unser Makler Robbs an: das Ehepaar habe sich entschieden – sie wollen KISU kaufen! Eine weitere Stunde später hat der Skipper den Verkaufsvertrag gegenunterzeichnet und somit geht ein für uns grossartiger Lebensabschnitt zu Ende. Etwas überrascht wurden wir ja schon, weil ganz ehrlich: wer hätte gedacht, dass wir so schnell in dieser speziellen Zeit unser Schiff verkaufen könnten – wir nicht.

Zu unserer ganz grossen Freude haben uns die zukünftigen Eigentümer Sally und Alastair gefragt, ob sie den Namen KISU weiterverwenden dürfen. Aber natürlich, es ist uns sogar eine Ehre zu wissen, dass KISU weiterhin durch die Wellen cruisen wird 😊

Noch fünf Wochen werden wir auf KISU leben und dann heisst es endgültig Abschied nehmen. Bis dahin gibt es viel zu tun. Allem voran die Arbeiter auf dem Yard täglich einmal in den Hintern zu treten damit sie in die Gänge kommen. Unterwasseranstrich, Ruderlager ersetzen und vielleicht diesmal neue Simmerringe montieren muss noch alles gemacht werden, da sie mit der Foliengeschichte eine Woche verbummelt haben. Eigentlich wollten wir am Montag 24. Mai wieder zurück ins Wasser – mit viel Glück klappt es auf Ende der Woche.

Nach drei Jahren um die halbe Welt mit genügend Mechaniker- und Yardarbeiter-Erlebnissen sind wir jedoch zuversichtlich, dass es auch diesmal irgendwann zurück ins Wasser geht 😉