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Unser nächster Stopp am 31. Mai, kaum 3 nm entfernt und noch immer auf der Insel Tahuatu, lag in der Baie Vaitahu. Das gleichnamige Dörfchen dazu ist wohl klein aber wartet mit einer hübschen Kirche auf. Wenn man es geschafft hat, mit dem Dinghy am sehr wellenumspülten und hohen Dinghy-Dock halbwegs trocken geblieben anzulanden, führt der Weg ins Dorf unweigerlich an Jimmys Restaurant mit WiFi vorbei. Das zieht bei Seglern immer, wenn es brauchbares WLAN gibt. Und tatsächlich, für Südsee Verhältnisse gab es sehr schnelles Internet (was einem in der Schweiz natürlich die Füsse einschlafen liesse). Wir kamen mit Jimmy alsbald ins Gespräch und er fragte uns ob wir Schiffsleinen gegen Früchte tauschen würden. Wer den Skipper kennt weiss, dass er gerne hamstert und so wurde er sich schnell mit Jimmy einig: ja wir hätten da eine passende alte Leine, welche wir ihm später vorbeibringen würden. Zuerst flanierten wir durch das Dörfchen an einem weiteren Restaurant vorbei hin zur Schule, gleich daneben konnten wir die Kirche besichtigen und etwa zehn Häuser später stand man bereits vor dem Einkaufsladen (der natürlich geschlossen hatte) und somit schon wieder neben Jimmys Restaurant. Wir beschlossen erst mal zurück auf KISU die Leine zu holen und wie dem begeisterten Gesicht von Jimmy zu entnehmen war, war er sehr zufrieden mit unserer Gabe. Während er die Früchte für uns besorgte erstanden wir im inzwischen geöffneten Laden etwas tiefgefrorenes Fleisch, Salatgurken und Eier. Gemächlich ging es zurück zu Jimmy, um die erwarteten paar Früchte abzuholen. Wir staunten nicht schlecht, als wir die 2 Zucchetti, 10 Pampelmusen, 15 Mangos und fast ebenso viele Orangen (noch grün) sowie sicher an die 90 Limetten (unser KISU-Spezial ist somit für Wochen gesichert) sahen, welche da auf uns warteten. Ich denke, für beide Parteien war dies ein sehr gutes Tauschgeschäft gewesen und wir finden den Gedanken witzig, dass auf der Insel Tahuatu eine Zeitlang ein Stier mit unserer ehemaligen Bullenstander-Leine geschmückt umherlaufen wird 😊

Nach einer Übernachtung ging unsere Reise gegen Mittag gaaaanz weit weg – nebenan in die 1 Seemeile entfernte Bucht Hapatoni. Hier, so haben uns OLENA und SERENITY erzählt, könne man jeden Tag mit Delphinen schwimmen und ihnen bei ihren Sprüngen aus dem Wasser zusehen. Ist ja klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen wollten. Am ersten Nachmittag sahen wir keine Delphine was sicher daran lag, dass es genau von dem Moment an als die Bordfrau nach vorne zum Bug musste um den Anker runter zu lassen, zu regnen begann. Auch klar, dass der Anker nicht hielt und wir noch zwei weitere Ankermanöver fahren mussten, selbstverständlich in strömendem Regen. Der Skipper stand während dieser Zeit am Steuer unter dem Bimini welches uns nicht nur vor der Sonne schützt 😉
Am nächsten Tag liessen sich die Spinner (so heissen Delphine welche spiralförmig-drehend aus dem Wasser springen) genauso wenig blicken, auch wenn uns die Leute von den Nachbarschiffe versicherten, dass die Tiere täglich zu sehen seien.
Einen weiteren Tag später konnten wir ebenfalls keine Delphine sichten. So entschieden wir uns zu einem Landspaziergang, der allerdings nicht weltbewegend zu erwähnen ist, mal abgesehen von der ein Kilometer langen teilweise idyllischen Strandpromenade mit drei Häuser und einer Kirche.
Da unsere Ankerkette zwischen/über Korallenblöcken hindurch am 15 Meter tiefen Meeresgrund lag, ergab sich eine entsprechende Geräuschkulisse in unserer Schlafkabine, womit an Schlaf wenig zu denken war. Daher gaben wir den Delphinen keine weitere Chance, um am vierten Tag in Folge nicht aufzutauchen. Wir entschieden uns morgens um Sechs Uhr Hapatoni zu verlassen und in einer Tagesfahrt zur Insel Fatu Hiva überzusetzen.

Kaum hatten wir die Abdeckung der Insel Tahuatu am 03. Juni hinter uns gelassen gab es ziemlich unangenehme hohe Wellen sowie Wind direkt auf die Nase. Also wurde die nächsten acht Stunden der Dieselmotor in die Pflicht genommen. Der Skipper an Deck und die Bordfrau im Salon unten liegend wurde es eine recht entspannte Überfahrt 😉

Die Marquesas mit ihren 12 hohen Inseln welche extrem grün in allen Schattierungen daher kommen sind ja (wer Berge mag) sehr imposant wenn man mit seinem Schiff so an einem steil aufragenden Felsen entlang fährt oder davor gar vor Anker liegt.
Fatu Hiva übertrifft jedoch alle bisher von uns besuchten Marquesas-Inseln noch mal um Längen. Bizarrer und vor beeindruckenderer Kulisse als in der Bucht Hanavave kann man wohl kaum liegen. Dass uns bereits Früchte im Tausch einer Flasche Rum angeboten wurden bevor wir überhaupt fertig geankert hatten obwohl wir im Cockpit unser Früchtenetz prall voll hatten war etwas befremdlich. Sie hätten sonst auch noch einen Fisch gegen Rum zu tauschen oder dieses und jenes gegen Rum anzubieten. Der Skipper und die Bordfrau wurden umgehend zu Antialkoholiker und behaupteten keinen Tropfen geistiger Flüssigkeiten an Bord mitzuführen. Erst da liessen sie uns in Ruhe.
Nachdem wir uns in der Bucht etwas umsehen konnten, entdeckten wir nicht weit von uns entfernt die GREYHOUND (wir lagen in Panama in der Vista Mar Marina neben Marie und Dietmar). Wir wurden von ihnen auch gleich zu Kaffee und Kuchen eingeladen was dann schlussendlich zusammen mit der Crew des neuseeländischen Schiffes ROARING MEG in einen Sundowner mit Bier und Champagner überging. Stunden später fuhren wir mit dem Dinghy zurück auf KISU und nahmen ein verspätetes Abendessen ein.

Den Tag darauf war natürlich Landgang angesagt und wir erkundeten einen Teil des Dorfes Hanavave. Ein Sportplatz, eine Schule, ein paar Häuser mit einem kleinen Laden und eine betonierte Strasse führten uns an sicher 200 Meter hohen Felswänden eine Schlucht entlang. Ein kleines Mädchen von etwa acht Jahren in Begleitung einer jungen Frau bot uns grosszügig von ihrer Tüte mit Süssigkeiten an. Skipper und Bordfrau nahmen je zwei Stückchen der extremsüssen und extremrot abfärbenden Plättchen an, lehnten aber Weitere dankend ab. Das Mädchen wollte allerhand von uns wissen, wie ob wir ein Segelboot hätten, woher wir kämen, wie wir heissen bis hin zu wie alt wir seien (was, soooo alt 😊). Wir wiederum liessen uns von der Frau die Pflanzen und Bäume erklären und wie wir zum Wasserfall kämen. Vor dem eigentlichen Dorfkern kehrten wir jedoch um – wollten wir schliesslich am nächsten Tag erst bis zum Wasserfall einen grösseren Spaziergang machen. Im Laden erstanden wir ein Säckchen Mais für Popcorn, Zwiebeln und für den Skipper ein Schoggicornet. Während wir nun so auf dem Weg zum Dinghydock waren sprachen uns drei Mädchen im Teenageralter an ob wir für sie Schokolade auf dem Schiff hätten. Nein, haben wir nicht war unsere Antwort. Ob wir ihnen dann auch so ein Glace kaufen würden. Bei 3 Dollar das Stück – NEIN, nicht wirklich. Da wurden die drei Dämchen aber sauer und schimpften vor sich hin. Nanu, das waren wir so von den Polynesiern nicht gewöhnt.

Unsere Wanderung am nächsten Morgen zum Wasserfall war traumhaft schön aber auch etwas anstrengend. Man bewegt sich halt auf dem Schiff maximal 26 Meter, wenn man vom Cockpit zum Bug und zurückläuft. Nun mussten wir eineinviertel Stunden (und später auch wieder zurück) steile Strassen hinauflaufen, über Bäche und Wiesen bis hin zu holprigen Stiegen über Stock und Stein bis ganz zum Schluss sogar noch Drahtseilen entlang der Felswand haltgebend gespannt waren, um unser Ziel zu erreichen. Aber was für eine Entschädigung der Anblick des Wasserfalles für diese Mühen bot! Es war wunderschön. Auf ein erfrischendes Bad haben wir allerdings verzichtet – schwamm im Teich ein 50cm langer ziemlich aufgeblähter und mit Fliegen überdeckter toter Fisch und stank übelst vor sich hin . Nun denn, das ist halt Natur pur!
Auf dem Rückweg stibitzten wir ein paar grüne Bananen und im Dorf unten schenkte uns ein Mann vier Pampelmusen aus seinem Garten einfach so. Wie nett!
Weniger nett fanden wir, dass in unserer Abwesenheit von unserem Dinghy eine der beiden hinteren Festmacherleinen einfach geklaut worden war. Die Bordfrau hatte beim Lösen der beiden Leinen am Dinghy-Dock gleich das Gefühl, so hätte sie die Leinen aber nicht festgeknotet gehabt. Erstaunlicherweise war auch die vordere Leine unter dem Dinghy Tank eingeklemmt. Wieso denn das? Wir vermuten mal, dass wenn wir den Tank nicht mit einem Schloss am Dinghy gesichert gehabt hätten, vielleicht auch der Benzintank hätte fehlen können. Da waren wir nun seit fast zwei Jahren unterwegs, davon einen grossen Teil in der Karibik wo so etwas fast zum Alltag gehört und dann passiert es uns hier. Wir haben aber stark das Gefühl, dass dies ebenso wie das Betteln ein Problem von Fatu Hiva ist. Hier kommen die meisten Segler nach ihrer Pazifiküberquerung an und haben kein Geld in polynesischer Währung und noch weniger Ahnung was etwas kostet, also lassen sie sich übers Ohr hauen und das wird dann bei allen Seglern versucht.

Wir lassen uns davon aber nicht die Südsee vermiesen; es ist einzig ein nicht perfekter Abschluss für uns in den Marquesas.
Fazit der Bordfrau über die Marquesas: Sehr grün, sehr bergig – das hätte ich auch in der Schweiz. Das perfekte Südseefeeling kommt da nicht auf.

Daher soll es nun weitergehen: wir starten am 07. Juni zu der drei Tage und drei Nächte oder 400 Seemeilen dauernden Überfahrt zum Tuamotu-Archipel. Was für ein Klacks inzwischen für uns nachdem wir schon mal das Zehnfache davon geschafft haben 😊

Gaby