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Nachdem wir mit dem Mietauto alle nötigen Einkäufe getätigt hatten, brachten wir den Peugeot am Freitagmittag zurück. Und wenn treffen wir im Hinterhof der Autovermietung: Willy von der VELA DARE der seinerseits ein Mietauto abholt. So erfahren wir, dass er und Magali in der gleichen Marina wie wir liegen und verabreden uns zu einem Sundowner am Sonntag bei uns auf KISU. Bis dahin müssen wir mal wieder einige ToDo’s abarbeiten. Die Kontrolle des gesamten stehenden und laufenden Gutes ist mal wieder fällig, und tatsächlich entdecken wir zwei gelockerte Schrauben an den Relingstützen, der eine oder andere Kabelbinder den wir zur zusätzlichen Sicherung anbringen, aber Schlimmes finden wir gottlob nicht vor. Dadurch, dass endlich der Starkwind nachgelassen hat, können wir auch noch unsere Endlosleine vom Code Zero Segel montieren und ausprobieren – alles im grünen Bereich.

Der Besuch der VELA DARE Crew am Sonntag war einfach herrlich. Magali und Willy sind auch aus der Schweiz und wir haben sie in Porto Santo und auf Madeira jeweils kurz getroffen und uns dann gegenseitig nur über die jeweiligen Blogs verfolgt. Da gab es natürlich viel zu berichten wie es uns in der Zwischenzeit so ergangen ist und die Zeit verging wie im Flug. Am nächsten Tag machten wir noch eine Einkaufstour mit ihnen zusammen und tauschten unsere E-Books gegen ihre riesige Musiksammlung aus.
Während Willy bei uns im Cockpit darauf wartete, dass alle E-Books auf seinen Stick rüber kopiert werden, kommt Jürg von der GORDONS (ebenfalls ein Segelboot unter Schweizerflagge fahrend) den Steg entlang. Wir waren uns in Sandy Island und in Canouan begegnet aber sie waren entweder nur auf der Durchfahrt oder grad am verlassen der Insel, so dass wir uns immer nur kurz von Schiff zu Schiff zugerufen haben: ‘wohin des Weges und dann sehen wir uns da vielleicht’. Spontan luden wir ihn zu einem Bier ein, plauderten etwas und schon hatten wir die nächste Sundowner-Einladung für Dienstagabend mit Magali, Willy und uns auf der GORDONS. Die GORDONS ist eine Baltic 50 und ein Regattaboot. Das interessierte den Skipper natürlich besonders, aber selbst die Bordfrau kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nicht dass ich nun auch nur ansatzweise auf der GORDONS mitsegeln möchte, aber spannend war es schon wie Jürg erzählte was alles am Schiff getan werden muss so vor und während der Regatta. Wie der Name des Schiffes natürlich Programm ist, tranken wir den einen oder anderen Gin Tonic mit Eis (Jürg hat eine Eismaschine an Bord die aber selbstverständlich an Regatten aus dem Schiff verbannt wird 😉). Irgendwann holte Jürg noch seine Gitarre hervor und da sassen wir Fünf und sangen Lieder quer durch die Schweizermusikszene bis hin zu ‘Hotel California’ oder ‘Sailing’, und eh man sich’s versah, wurde der Gin in der(den) Flasche(n) immer weniger und die Sonne wäre fast schon wieder aufgegangen, bis wir auf KISU zurück wankten. Die Bordfrau büsste am Morgen für den letzten Gin ziemlich (das Eis und Tonic war alle, also gab es Gin pur) aber auch der Skipper erschien erst um elf Uhr zum Frühstück. An diesem Mittwoch haben wir ausser ruhig im Cockpit sitzen und lesen nicht viel mehr gemacht. Da wir in der Marina zuvorderst am Steg liegen, müssen alle bei uns durchlaufen. So kam Jürg im Laufe des Nachmittags noch mit Claudia und Martin von der FLYING MERLIN, einem Dragonfly 35 Trimaran der wie könnte es auch anders sein, ebenfalls unter Schweizerflagge fährt, bei uns vorbei. Claudia war noch nie auf einem Einrumpfsegelboot mitgefahren und so hatten sie ihren FLYING MERLIN in Le Marin gelassen um bei Jürg bis Guadeloupe mitzusegeln. Wir vereinbarten, dass am nächsten Tag die GORDONS und KISU sich zusammen auf den Weg nach St. Pierre machen würden, seine Einladung zu einem weiteren Sundowner schlugen wir jedoch aus. So fit war die Bordfrau nun wirklich noch nicht und wenn am nächsten Tag gesegelt werden muss lässt sie die Finger besser vom Alkohol.

Da die Strecke bis St. Pierre nur 20 Seemeilen betrug, musste auch nicht gehetzt werden. Um 14:00 Uhr machte sich KISU auf den Weg, gefolgt von GORDONS, der etwa zwanzig Minuten später aufbrach. Wir hatten leichten Wind so dass unser Code Zero genau das richtige Segel dafür war. Die GORDONS hat uns dann gar nicht so easy überholen können wie wir das erwartet hatten, was natürlich dem Skipper ein sattes Grinsen ins Gesicht zauberte. Vor St. Pierre warfen wir den Anker und da wir gleich am nächsten Morgen nach Dominica weiterwollten, durften wir in Jürg’s Dinghy mit an Land fahren, damit wir nicht wegen 50 Meter zum Strand und zurück unser Bananaboot aufbauen mussten. Es wurde ein sehr lustiger Abend im Restaurant und wir konnten Claudia und Martin näher kennenlernen und ihren Weg hierher in die Karibik erfahren. Es ist für uns immer wieder spannend zu hören, dass es den Anderen ähnlich oder gar gleich ergangen ist und wie sie aus brenzligen Situationen das Beste machten. Aus all diesen Geschichten können wir unsere Lernkurve stetig nach oben verbessern und stellen zudem erfreut fest, dass wir mit unserer KISU weniger Umtriebe oder Ärger haben als andere Crews mit ihren Schiffen. Um 22:30 ruderte uns Jürg zurück zu unseren Booten und da am nächsten Morgen KISU’s Abfahrt für 07:00 angesagt war, wurde es höchste Zeit sich in die Koje zu hauen.

Pünktlich um 07:00 holten wir den Anker aus dem Dreck und machten uns auf den Weg nach Dominica. Die GORDONS-Crew erlaubte sich noch eineinhalb Stunden länger zu schlafen, da sie ja ein schnelleres Schiff hatten. Das wiederum denke ich hat den Skipper gewurmt. So wurden alle Segel gehisst und als wir aus der Abdeckung von Martinique raus waren begann für den Skipper tolles Segeln in absoluter Schräglage so dass das der Wasserseite zugewandte Deck ständig unter Wasser lag. Der Bordfrau gefiel das ganz und gar nicht und so war sie die nächsten drei Stunden damit beschäftigt, im Cockpit sitzend sich krampfhaft festzuhalten. Dazu hatten wir noch richtig eklige Wellen von schräg vorne, was unsere KISU zum Hüpfen brachte. Segelspass war das wirklich nur für den Skipper. Als wir endlich wieder in der Inselabdeckung von Dominica waren, wurde es Wellenmässig sofort viel ruhiger. Der Wind blies allerdings durch die Fallwinde in starken Böen weiter, so dass sich gut festhalten meist weiterhin nötig war. Entspanntes Segeln war das in keinen Moment für die Bordfrau. Immerhin, dem Skipper sein Tagesziel wurde bis kurz vor der Einfahrt in die ‘Prince Rupert Bay’ erfüllt – die GORDONS schaffte es nicht uns auf dem Weg zu überholen, auch wenn sie uns gefährlich nahekam. Erst als wir ihr den Vortritt gewährten da sich Jürg in der Bucht auskannte und er für unsere Boote bei ‘Eddison’ Bojen vorreserviert hatte, rauschte das Schiff an uns vorbei.
Nun hängen wir hier mit etwa dreissig anderen Segelbooten an der Boje und was wir schon während der Fahrt der Insel entlang festgestellt hatten bestätigt sich auch hier: die Natur ist flächenweise total zerstört, von vielen Bäumen blieb nach dem Wirbelsturm ‘Maria’ vom vergangenen September nur das nackte Baumgerippe übrig. Sehr vielen Palmen und Bäumen hat es zudem die Baumkrone einfach weggerissen, so dass nur noch der halbe Stamm dasteht.

Für den nächsten Tag haben wir bei Eddison, der übrigens gut Deutsch spricht da seine Frau aus der Schweiz stammt, eine Inselrundfahrt gebucht. Auch sonst kann man über Eddison den Müll loswerden, die Wäsche waschen lassen, etc.
Am Samstagmorgen um 10:00 sammelt uns Eddison mit seinem Boot von unseren Schiffen ein, brachte uns an Land und übergab uns dort an seinen Busfahrer Paul. Als erstes ging es zum Einklarieren. Da am Wochenende die offizielle Immigration geschlossen hat, kommen wir in den Genuss, mal in einer privaten Küche einklarieren und auch gleich wieder ausklarieren zu können, da es spätestens am Montag Richtung Guadeloupe weiter gehen soll. Dazu werden mal wieder zwei Formulare zum Ausfüllen fällig und mit 60 ECD’s sind wir von der ‘Behörde’ genehmigt.
Somit können wir zur Inselrundfahrt starten welche uns im Laufe des Tages wirklich einmal rund um und kreuz und quer über die Insel bringt. Dabei sehen wir natürlich sehr viel zerstörte Natur, Strassen welche von den Wassermassen die sich ihren Weg auch ausserhalb der Flussbetten suchen mussten halb weggespült wurden und natürlich auch viele kaputte Häuser. Bei den Gebäuden sind wir uns jedoch nicht immer ganz sicher ob das nun wirklich wegen ‘Maria’ war oder ob nicht eine eh schon längst verfallene Bauruine am Wegesrand stand. Die unzähligen Strommasten welche auch ein halbes Jahr nach dem Sturm noch immer am Boden liegen und deren Stromleitungen wild in der Gegend herumhängen/-liegen (auch auf der Strasse) erstaunte uns dann doch. Aber wir waren auch am wunderschönen Wasserfall beim Emerald Pool, besuchten die Pointe Baptiste Chocolate Estate und liessen uns von Alan seinen wunderschönen Garten zeigen, ebenso die Schokoladeproduktion mit anschliessender Verkostung, was natürlich im abschliessenden Kauf von drei Tafeln Schokolade endete 😊
Egal wo wir hinkamen, wir wurden so herzlich von den Einheimischen überall empfangen und die ‘Enjoy the day/trip/Dominica/…’ begleiteten uns vom Morgen bis zum Abend. Wir haben uns zu keiner Zeit bedrängt oder unwohl gefühlt, sondern überall willkommen. Natürlich ist der Anblick der Hügel mit ihren Baumgerippen manchmal etwas bedrückend. Aber beim Näherkommen stellt man fest, dass doch bereits wieder sattgrüne Blätter spriessen – die Natur ist unglaublich stark! Wir hatten dank den guten Augen unseres Drivers das Glück einen Sisserou oder Kaiseramazone, das dominikanische Wappentier in einem Baumwipfel sehen zu können. Nach neun Stunden (!!!) kamen wir erschöpft aber zufrieden wieder in Portsmouth an der Prince Rupert Bay an und wurden nun bereits im Dunkeln von Eddison zurück auf unsere Schiffe gefahren. Ein kurzes Abendessen und dann fielen wir ins Bett. Ungewöhnlicherweise hatte der Wind heute von Ost auf West gedreht und so kam nun eine unangenehme Welle in die Bucht hinein, was uns eine schaukelnde Nacht bescherte.

Den Sonntag verbrachten Skipper und Bordfrau zu Erholung gaaaanz gemütlich im Cockpit, während Claudia, Martin und Jürg sich einen Landspaziergang zum Fort Shirley gönnten mit anschliessendem Sundowner bei uns auf der KISU. Ein schöner Ausklang des Tages mit ihnen und diesmal waren wir auch vernünftig genug nicht zu ‘überborden’ 😉

Fazit Dominica: Besucht diese Insel – Land und Leute sind es wert!

Gaby