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Hallöchen, die Bordfrau meldet sich zurück aus dem Urlaub.
Nee, wie jetzt – Ferien?
Ja segelt ihr mal vier Monate lang mit dem Skipper durch halb Europa. Da würdet ihr auch Ferien nehmen wollen 😉
Also habe ich schnell mal meinen Sparstrumpf geleert, ab ins nächste Reisebüro und habe mir eine Super-Luxus-Verwöhn-Atlantiküberquerungs-Kreuzfahrt mit ganz persönlicher Betreuung gebucht.

Und ich wurde wirklich verwöhnt! Da das Wetter fast immer schön und angenehm warm war, verbrachte ich die meiste Zeit natürlich auf dem Sonnendeck mit faulenzen, herumliegen und dösen. Der Steward hat mich immer ausreichend mit Getränken versorgt und der erste Offizier hat sich täglich nach meinem Befinden erkundigt und auch sonst immer ganz nett mit mir geplaudert. Ich denke, der war ein bisschen in mich verschossen 😊
Wenn das Wetter doch mal umschlug, packte ich mein Beautycase zusammen, trippelte den Niedergang runter in meine Kabine und hab mich da in die Koje gehauen. Einmal lag ich da 31 Stunden am Stück rum. Das Kabinenpersonal hat mich jedoch auch hier vorzüglich umsorgt.
Den Kapitän habe ich eigentlich wenig zu Gesicht bekommen – ist halt auch eine wichtige Person an Bord mit sicherlich vielen Aufgaben. Die Bordküche hingegen liess keine Wünsche offen, und nachdem es meinem Magen besserging, wurde ich mit allerlei Köstlichkeiten verwöhnt. Der Küchenchef hat sich täglich fast neu erfunden und ganz individuelle auf mich abgestimmten Gerichte gezaubert.
Apropos gezaubert. Die einzige unmögliche Person auf dem Schiff war der Bord-Animateur Mössiö Marcüüüs. Der ging mir täglich mindestens einmal auf die Nerven. Sei das nun mit seinen Akrobatikdarbietungen auf dem Vordeck bei zickigem Wellengang wo er mit irgendwelchen Leinen oder Spibäumen um sich warf (immerhin trug er immer Rettungsweste und war mit einer Lifebelt gesichert) oder sein peinlicher Versuch à la Copperfield: eine weisse Taube aus dem Hut zu zaubern endete mit einem kleinen aufgeplusterten schwarzen Vogel (siehe Foto unten). Peinlich sag ich euch! Der absolute Gipfel war dann jedoch in der ersten Woche der nächtliche Tauchgang von ihm. Ich vermute ja mal, dass er beim ‘Leinenschmeissen’ am Morgen etwas versifft hatte und dadurch die Endlosleine vom Code Zero unbemerkt über Bord rutschen konnte. Als man nun abends Zwecks Stromerzeugung etwas den Motor laufen lassen wollte, hat sich die Leine um den Propeller gewickelt und hoppla – Motor läuft nicht mehr. Nun hiess es alle Mann inklusive mir aufs Achterdeck: Mössiö Marcüüüs biete einen Nachttauchgang dar. Ja ist der eigentlich übergeschnappt! In meinem Alter mit meinem schwachen Herzen könnte das mal übel enden. Ich bin dafür, dass man ihn fristlos entlässt. Statt ihm stelle man besser einen eleganten Flügel in eine Ecke ins Cockpit und setzt daran einen Udo Jürgens-Verschnitt. Dann könnte ich zum ‘Griechischer Wein’ oder ‘Aber bitte mit Sahne’ ganz gemütlich im Wellentakt mitschunkeln. Aber nein, man nervt mich mit Mössiö Marcüüüs ☹ Das Beste an diesem halbstündigen Tauchgang war (abgesehen davon, dass Mössiö Marcüüüs die Leine wegschneiden konnte) der anschliessende Auffrischungskurs ‘Wie behandle ich eine tiefe Schnittwunde’. Erst wurde mit einem hübschen Druckverband weiterer Blutverlust gestoppt und später dann mit Steristrips die Wunde ‘verschlossen’. Jetzt zwei Wochen später kann man sagen, dass die Wunde sehr schön verheilt ist.
Nichts desto trotz… siehe mein Verbesserungsvorschlag für den Animateur!

Eine weitere Besonderheit an dieser Kreuzfahrt war, dass man sich jede Nacht um Mitternacht auf dem Sonnendeck einzufinden hatte. Am Anfang hatte ich ja die irrtümliche Hoffnung, dass es ein Mitternachtsbuffet geben würde. Weit gefehlt. Man musste da die nächsten vier Stunden auf einen Bildschirm starren um zu erkennen ob ein Schiff in die Quere kommen könnte oder vielleicht ein Squall vorbeiziehen würde und alle zwanzig Minuten einen Rundumblick übers Meer machen (es gibt nämlich immer noch Schiffe, die sich AIS ganz sparen oder welche die es zu Stromsparzwecken abschalten. Und die erkennt man dann auf dem Radar nur sehr schwer). Alle anderen an Bord waren zu dieser Zeit am Schlafen. Das einzig Gute daran war, dass auch Mössiö Marcüüüs nie aufgetaucht ist. Vielleicht hatte er ja noch weitere Auftritte auf anderen Schiffen wo er die Leute nerven konnte.

Ein ganz besonderer Augenblick auf dieser Kreuzfahrt war natürlich die Begegnung mit den Walen. Als erstes hört man sie nur durch ihr Ausatmen und dann siehst du plötzlich ihren Körper elegant durchs Wasser auf- und abtauchen. Einer der beiden Wale schwamm bis ans Heck des Schiffes heran und hat wie ich hoffe, uns einen freundschaftlichen Schubser gegeben und nicht uns wegdrücken wollen. Wie auch immer: es wird unvergessen bleiben.

Am Samstag dem 18. November kurz nach 11 Uhr waren wir gestartet und genau drei Wochen später sind wir am Samstag dem 09. Dezember kurz nach 11 Uhr in Barbados angekommen. Und ganz ehrlich: ich war froh als es vorbei war. Immer nur Himmel blau und Wasser blau wird auf die Dauer langweilig anzuschauen. Ich bilde mir auch ein, dass sich der Skipper gefreut hat, mich nach drei Wochen mal wieder zu sehen 😊 Ihm und KISU scheint es in dieser Zeit ebenfalls gut ergangen zu sein – sie sehen wohl etwas schlanker um die Taille (Skipper) beziehungsweise den Wasserpass (KISU) aus, aber es steht ihnen gut.

Noch ein bisschen Statistik:
3’080 nautische Meilen (nm) in 21 Tagen (5’700km)
Durchschnittsgeschwindigkeit 6.1 Knoten
376 Stunden unter Segel, 128 Stunden unter Motor
158 Motorstunden (davon 30 Stunden für Batterien laden)
230 Liter Diesel (Verbrauch 1.5 Liter / Stunden)
Kürzeste Strecke in 24 Stunden 99 nm (ETMAL)
Längste Strecke in 24 Stunden 182 nm (davon 14 Stunden nur mit einem, teilweise gerefftem Segel)
Durchschnitt 147 nm / Tag

Gaby

In eigener Sache:
Für die zahlreichen guten Wünsche für die Reise welche noch bei uns eingetroffen sind, die liebevollen Kommentare unterwegs sowie die vielen Glückwünsche zur gelungenen Atlantikquerung haben uns sehr berührt und unglaublich gefreut. Ihr bleibt unsere Verbindung zur Schweiz und ruft in uns liebe Gedanken in Erinnerung. Schön, dass wir so tolle Leute kennen! An dieser Stelle schon mal Danke. Wir werden versuchen, sobald das Internet besser läuft, wir etwas Schlaf nachgeholt haben und das türkise Wasser mit dem puderfeinen weissen Sandstrand nicht mehr so lockt uns bei euch noch zu melden.