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Der Wellengang war moderat, die Sonne sah aus als möchte sie sich durchsetzen, also entschieden wir uns am Montagmorgen Oostende zu verlassen und uns der Küste entlang nach Dünkirchen/Dunquerke zu bewegen. Den Wind und die Wellen hatten wir natürlich wieder direkt auf die Nase also musste der Motor arbeiten. Schnell hatten wir die Hafenausfahrt hinter uns gebracht als ich mich direkt hinter dem Feld einer Regatta von etwa zwanzig Segelbooten wiederfand. Nun will ja jeder bei einer Regatta gewinnen und jeder meint er finde dazu den kürzesten Weg. Das bedeutete für die unerfahrene Skipperin natürlich Stress pur. Die Segelboote machten nun nicht elegantes ‘Synchronsegeln’, sondern kreuzten wie wild vor mir hin und her. Mal war ich in Bedrängnis von rechts und musste ausweichen, dadurch kam ich in Teufels Küche mit zwei Booten von links und der den ich glaubte fährt etwa meinen Kurs (nämlich geradeaus mitten durchs Feld) musste natürlich plötzlich auch noch eine Wende hinlegen so, dass ich arg ins Schwitzen geriet. Nur mit einem Umweg direkt aufs Meer hinaus konnte ich entkommen und als die Schiffe bei ihrer Wendetonne angelangt waren, konnte ich auf unseren Kurs zurückgehen. Nun war die einzige Herausforderung noch die passenden Tonnen rot oder grün zu finden und die markierten Untiefen tunlichst zu meiden. Kurz vor der Hafeneinfahrt von Dünkirchen sichteten wir etwa zwanzig Meter von KISU entfernt einen Seehund, welcher vergnügt in den nun etwas bockig werdenden Wellen herumschwamm. Für ein Foto reichte die Zeit leider nicht. Im Hafen erhielten wir einen Platz zum Seitwärtsanlegen was uns auf Anhieb gut gelang. Extra für KISU haben sie im Hafen während unseres Aufenthaltes die Schweizerfahne gehisst. Bleibt noch zu erwähnen, dass ich in keinem Moment mit Seekrankheit kämpfen musste?!? Von Dünkirchen selber haben wir nur wenig gesehen, da wir am nächsten Tag früh auslaufen wollen. Wir lagen schon in der Koje als noch ein Trimaran an KISU im Päckchen anlegte.

Problemlos konnten wir heute Dienstagmorgen ablegen, da die Crew des Trimarans kurz ihre Leinen von uns lösten, in die Mitte des Kanals trieben und uns so genügend Platz zum Auslaufen gab. Es wehte nur ein leichter Wind und die Wellen waren mehr ein Kräuseln – also ein Tag nach Wunsch der Dame des Schiffes. Woher Wind und Wellen kamen erspare ich hier zu erwähnen, aber da der Motor die folgenden 8 Stunden brav ackerte, ist wohl alles gesagt. Es hätte also eigentlich alles nach einem ruhigen und angenehmen Tag ausgesehen. Denkste! Die Madame hat sich wohl schon zu sicher gefühlt, da schlug Murphy zu. Ein schriller Piepton kündigt immer einen Fehler irgendwo im System von KISU an. Aha, es ist die Starterbatterie mit zu wenig Power; das kannten wir schon, das gibt sich wieder. Nur wiederholte sich dieser Piepton diesmal in regelmässigen Abständen immer wieder. Das lässt dem Skipper natürlich keine Ruhe und so wird systematisch mal alles was Strom verbraucht abgeschaltet und wieder eingeschaltet. Nur den Kühlschrank hat er vergessen wieder einzuschalten, also gab es später den Ankertrunk ohne Crushed Ice 😉 Dabei stellte Markus fest, dass viel zu wenig Strom über den nun laufenden Motor und die Solarzellen in unsere Batterien produziert wurde. Also wurde die Suche durch den Motorenraum erweitert und da stiess der Skipper auf das Corpus Delicti. Der tollen Balmar-Lichtmaschine war ein viel zu klein dimensioniertes Massekabel montiert worden welches dadurch komplett überhitzte, brach, zerbröselte, schmolz. Somit war schnell mal klar, dass wir morgen nicht nach England übersetzen werden, sondern wegen Reparaturarbeiten länger als geplant in Boulogne-sur-Mer verweilen müssen. Ein Highlight gibt es dann doch noch zu berichten: Zwischen Calais und Boulogne-sur-Mer näherte sich von hinten plötzlich eine Segeljacht direkt auf uns zu. Der Skipper erspähte mit Hilfe seines Lieblingsspielzeuges für seine Neugier (Monokular) das Schiff als Erster. Es war eine Segeljacht mit drei Saling, eine X-Yacht und er meinte, dass könnte Eric aus Oostende sein. Mein undamenhafter Kommentar dazu: ‘du spinnst ja!’ Als die X-Yacht zum Überhohlen ansetzte habe ich nicht schlecht gestaunt, als es tatsächlich Eric war, der Vorbesitzer von KISU. Ein kurzer Plausch übers Wasser wohin des Weges, noch schnell ein Foto zur Erinnerung und dann war er bereits an uns vorbeigezogen. Wir wünschen dir allzeit gute Fahrt Eric.
Die Hafeneinfahrt von Boulogne-sur-Mer war nochmals etwas heikel da stellenweise nur 3 Meter Tiefgang war und wir gingen auf Ebbe zu. Aber alles klappte und bevor wir die uns zugeteilte Box ansteuerten wurde KISU mit wohlverdienten 136 Liter Diesel aufgetankt. Volle zwei Stunden lang hatten wir dann noch tolles Hafenkino mit etwa dreissig einlaufenden Segeljachten rund um uns herum.
Mittwochmorgen heisst es dann zum ersten Mal einen Shipchandler finden, der uns hilft das Kabel für die Lichtmaschine zu ersetzen. Scheint ganz so, als wären wir im Langfahrtenmodus angekommen, da wir nun mit reparieren beginnen 😉

Gaby