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Wir haben unsere Tage auf Mustique sehr genossen! Aber drei durchgeschüttelte Nächte vor Mustique waren genug, also lösten wir KISU von der Boje und ab ging es Richtung Tobago Keys. Auf dem Weg dorthin merkten wir sehr schnell, dass das bei dem Wellengang nicht der richtige Zielort sein würde. Also leichte Kursänderung auf die Insel Mayreau und es wird die Salt Whistle Bay angesteuert. Der Schweizerkatamaran OLENA, welcher mit der Januar-Atlantik-Odyssey in die Karibik gekommen war, lag schon in der Bucht und hatte uns über Funk mitgeteilt, dass es nur kleine Wellen in der Bucht hätte. So war es dann auch, wir belegten erneut eine Boje und hofften endlich auf eine ruhige Nacht. Da hatten wir die Rechnung jedoch ohne den Wind gemacht. Kaum hatten wir die Boje bezahlt, schön mit Quittung, wurde der Schwell in der Bucht immer schlimmer und es kam so weit, dass man sich beim Gang durchs Schiff festhalten musste. Eine weitere mühsame Nacht mit wenig Schlaf folgte. Am nächsten Morgen, der Wellengang noch immer unverändert, lösten wir uns bereits vor dem Frühstück von der Boje und machten uns auf, eine wirklich ruhige Bucht zu finden.

Die Saline Bay, ebenfalls auf Mayreau, sah auf den ersten Eindruck immerhin ruhiger aus, erschien uns aber stellenweise etwas wenig tief für KISU. Der Eindruck täuschte nicht – wie wir erst am nächsten Tag erfahren würden, ist ein uns bekanntes Schiff dort nur Stunden später auf ein Riff aufgelaufen und hat dabei sein Ruder abgebrochen.
Wir liessen die Insel Mayreau hinter uns und somit auch die Tobago Keys, es scheint für uns einfach nicht möglich zu sein dieses wie wir gehört haben, schöne Fleckchen Erde zu besuchen. So tuckerten wir mit Dieselwind nach Union Island weiter und fanden dort mit der Chatham Bay endlich den ersehnten ruhigen Platz wo wir uns von den vergangenen Nächten erholen konnten. Noch am selben Tag kamen auch OLENA und MARELIA (ein Schweizerkatamaran, den wir schon in Guadeloupe und Antigua getroffen hatten) dorthin und somit lag die Chatham Bay ganz in Schweizerhand 😉 Diese Bucht scheint ein kleiner Geheimtipp zu sein; lagen wir doch höchstens mit zehn anderen Schiffen dort. Zugegeben, es gab ausser einem Hotel und ein paar sehr einfachen Local-Restaurants nichts am Strand, aber zum Erholen genau richtig.

Wir blieben dort drei Tage und Nächte und nachdem uns langsam die Frischprodukte ausgingen beschlossen wir um die Insel herum nach Clifton zu fahren, um ein paar Sachen einzukaufen und auch gleich aus den kleinen Grenadinen auszuklarieren.

Anschliessend hissten wir die Genua und fuhren noch am selben Tag auf die zum Staat Grenada gehörende Insel Carriacou (sprich Carraku) in die Tyrell Bay. Einerseits staunten wir, dass doch etwa achtzig Schiffe in der Bucht lagen. Andererseits war seit dem 03.07.2018 ein Tief, welches sich zum tropischen Sturm auf dem Atlantik entwickelt hatte unterwegs in Richtung kleine Antillen. Carriacou und Grenada gelten als ziemlich Hurrikan sicher, wenn auch nicht zu 100%, und so entschieden auch wir uns hier die weitere Entwicklung des Sturmes abzuwarten. Als der Sturm am Donnerstag dem 05. Juli zum Hurrikan namens ‘Beryl’ erklärt wurde, waren wir wenig erfreut. Während die Bordfrau wahrscheinlich sofort den Anker gehoben und ab in den Süden nach Trinidad/Tobago oder gar die ABC-Inseln aufgebrochen wäre, liess der Skipper es sich zumindest nicht anmerken, wenn es ihn beunruhigte.
Die Bordfrau jedoch begann wie der hypnotisierte Hase vor der Schlange, die jeweils auf 08:00/11:00/14:00/17:00/21:00 und 02:00 aktualisierten Meldungen auf der Webseite von ‘noaa.gov’ zu lesen, studieren und vergleichen. Das erstaunliche für uns war, solange ein Hurrikan nicht die USA bedroht wird er auch nicht gross in der Presse herumgereicht und in Europa schon gar nicht erwähnt. Am Samstag hatte sich die Vorhersage der Durchzugsbahn des Hurrikans soweit für uns verschlechtert, dass wir entschieden es unseren Kindern in der Schweiz mitzuteilen. Wir wollten ja nicht einen auf Panik machen, aber wenn es Beryl gefallen sollte uns zu ‘berücksichtigen’, wollten wir, dass sie Bescheid wussten. Kaum hatten wir sie informiert, begann Beryl zu schwächeln. Bei jeder weiteren Meldung gab es auch immer mehr Entwarnung und was soll ich sagen: wir haben absolut nichts davon gemerkt, dass nördlich von uns im Endeffekt gottseidank ‘nur’ mehr Wind und Regen durchgezogen sind.
Wir wussten ja zum Voraus, dass wir wettertechnisch mit solchen Sachen konfrontiert werden können, dauert die Hurrikan-Zeit schliesslich hier in der Karibik von jeweils 01.06. bis 30.11. Darauf vorbereiten konnten wir uns jedoch wenig. Natürlich hatten wir volle Diesel- und Wassertanks und (wie fast immer 😉) auch genügend Essen an Bord. Aber was wir nun alles Wissenswerte während dieser Tage von Tiefs und tropischen Stürmen bis hin zu Hurrikans gelernt haben, hilft uns in Zukunft eine gleiche Situation easyer anzugehen. Und wir sind mehr als dankbar, dass wir so gnädig davongekommen sind.

Wir waren aber nicht nur am Warten hier in der Tyrell Bay. Für KISU’s neuen Unterwasseranstrich wurde in der Marina einen Termin für Ende Oktober abgemacht und der Skipper hat Garçon versuchsweise mit dem Torqeedo-Motor bestückt. Somit hätten wir für Kurzstrecken eine Alternativmöglichkeit, welche erst noch mit wesentlich geringerem Kraftaufwand beim Montieren des Motors zu bewältigen ist. Aber auch der Kontakt zu anderen Seglern kam nicht zu kurz und mit den Crew’s von OLENA und/oder MARELIA gab es immer wieder tolle Begegnungen, Sundowner und Gespräche.

Morgen Mittwoch geht es weiter nach St. George’s der Hauptstadt von Grenada. Wir müssen da unbedingt nochmals die leckeren Hamburger im Hafenlokal essen gehen und natürlich mal wieder einen anständigen Shipchandler aufsuchen 😊

Danach ist unser Ziel die Marina ‘Le Phare Bleu’ wo es langsam Zeit wird KISU für ihren Aufenthalt dort, während wir in der Schweiz weilen werden, vorzubereiten. Dies bedeutet, dass wir Segel, Solarzellen, Bimini, Sprayhood, Dinghy und seine Motoren in KISU’s Bauch verstauen müssen um eventuellen Stürmen/Hurrikans möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.
Anfangs August werden wir von Grenada nach Miami fliegen, wo wir für drei Tage uns die Stadt anschauen wollen. Anschliessend geht es Nonstop bis Zürich und dann sehen wir endlich unsere Enkelkinder sowie Familie und Freunde wieder. Wir freuen uns riesig darauf!

Gaby