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Nach drei Tagen in Nevis hatten wir es gesehen, der Strandspaziergang am Luxusferienresort mit Golfplatz vorbei war dabei das absolute Highlight gewesen.

So ging es Mittwochmorgen Anker auf nach St. Kitts. Ausklarieren mussten wir nicht (Juhuii!), da St. Kitts und Nevis zusammengehören.
Unser erstes Ziel die White House Bay liessen wir nach drei Ankerversuchen sausen – es gab leider nicht genügend Platz für KISU. In der Frigate Bay fanden wir einen Ankerplatz der unseren Wünschen entsprach und nachdem wir sicher waren, dass der Anker hält, enterten wir den Strand, genossen ein verspätetes Mittagessen (leckeren Burger) und vertraten uns noch etwas die Füsse im Sand. Zurück auf KISU war schon ein weiterer schöner Sonnenuntergang fällig. Die Nacht wurde leider durch den zunehmenden Wellengang recht ungemütlich und so verlegten wir uns am Morgen in die Hauptstadt von St. Kitts nach Basseterre. Dort ankerten wir als einziges Segelschiff im Deep Water Port gleich neben der Coast Guard. Das gab uns doch ein sicheres Gefühl 😊
Gemäss Doyle (Cruising Guide Karibik) ist der Customs zum Ausklarieren gleich oberhalb unseres Ankerplatzes gelegen. Da wir nur zwei Tage in Basseterre bleiben wollten und der Skipper immer noch keine richtige Freude an den Tag legt, wenn ein-/ausklariert werden muss, wollten wir es so schnell wie möglich hinter uns bringen. Also ab mit dem Bananaboot zum Dinghy-Dock welches, ganz clever, gleich neben dem Shipchandler Budget Marina liegt – ist ja klar, dass wir als erstes dort reinschauten. Natürlich nur um abzuklären, dass der Laden auch noch auf unserem Rückweg vom Customs offen sei. Ansonsten hätten wir den Einkauf selbstverständlich dem Ausklarieren vorgezogen 😉 So ging es nun in der brütenden Hitze zur Mittagszeit forschen Schrittes der Strasse entlang immer weiter, mal durch einen ausgetrockneten Bach, mal die Strasse rauf und dann wieder runter, bis wir uns vor dem von uns vermuteten Gebäude befanden. Eine Dame in Militäruniform erklärte uns dann jedoch, dass wir hier falsch seien und den halben Weg zurück und dann der Strasse entlang noch weiter hinauf müssten. Dort wiederum hiess es, alles falsch, wieder zurück wo wir grad hergekommen waren. Ja aber…. Nichts aber und es gibt auch keine Abkürzung dorthin. Scheinbar machten wir bereits einen etwas geschwächten Eindruck so dass sich der Beamte dort erbarmte und ein Auto anhielt welches uns freundlicherweise und völlig gratis dorthin fuhr. Wir mussten erst die Identitätskarte bei einem Beamten am Tor hinterlegen damit wir Besucherausweise erhielten. Dann erst durften wir zum Customs um dort von der etwas missgestimmten Beamtin (Kunde droht mit Auftrag) zu erfahren, dass wir hier nicht ausklarieren könnten, dafür müssten wir in den Kreuzfahrtschiffterminal Port Zanto auf der anderen Seite des Hafens gehen ☹ Inzwischen waren 2 Stunden vergangen und wir hatten echt keine Lust alles zum Dinghy zurück zu laufen. Wir hatten Glück und wir fanden ein Taxi welches uns in zehn Minuten zum Port Zanto fuhr. Der Taxifahrer geleitete uns sogar noch bis zum Eingang des Custombüros. Dort erwartete uns eine weitere missmutige Dame die sich unseren Formularen und Pässe annehmen musste. Wir lassen uns davon jedoch nicht abhalten erst recht freundlich zu den Beamten zu sein. Aber was Kundenservice beziehungsweise Kundenzufriedenheit anbelangt, sind die meisten Bürokraten hier in der Karibik noch Lichtjahre entfernt.
Nach diesem ‘Ämtermarathon’ waren wir fast am Verdursten – dummerweise hatten wir mal wieder keine Trinkflasche eingepackt – das sollten wir doch inzwischen besser wissen! Wir mischten uns also unter die paar hundert Kreuzfahrt-Touris und kamen so zu unserem Caribe. Gleich hinter dem Kreuzfahrtterminal hat Basseterre eine kleine Stadt aufgezogen welche mit Schmuckläden und Souvenirs Shops überfüllt ist. Darauf hatten wir nach dem Bier echt keine Lust mehr; es durfte ja noch der Shipchandler aufgesucht werden. Gesagt – getan, aber auch dort verliessen wir den Laden mit leeren Händen.
Auf KISU zurück galt es nur noch die Füsse hochzulegen und den Sonnenuntergang abzuwarten. Dabei gerieten wir ins Visier der Coast Guard. Als das Boot der Küstenwache an uns vorbeifuhr, fingen die Beamten plötzlich an die Hände zur verrühren und Drehbewegungen anzuzeigen und deuteten dabei laufend auf KISU. Ausnahmsweise verstand diese Zeichensprache mal die Bordfrau etwas schneller als der Skipper. Mit einem Sprung den Niedergang runter schnappte sie sich das Buch mit den Flaggen, schlug diejenige von St. Kitts und Nevis auf und siehe da, die Flagge hing verkehrt rum. Seit fünf Tagen war das niemandem aufgefallen 😊 Nun ist es ja so, dass wenn man eine Flagge kauft, immer schon mit einer kleinen Schlaufe für die obere Seite und einem langen Bändsel für die untere Seite vorgegeben ist, wie man die Flagge aufhängen muss. Nur dass wir scheinbar ein ‘Montagsprodukt’ erwischt hatten, denn eigentlich müsste der grüne Teil der Fahne oben sein. Kein Problem, nachdem die Bordfrau die Flagge andersrum aufgehängt hatte, strahlten die Jungs der Küstenwache und wünschten uns noch einen schönen Abend.

Für den Samstag hatte der Skipper keine dringenden To-Do’s und so wurde kurzerhand ein Bummel durch die Kreuzfahrer-Shops auf den Tagesplan gerufen. Nun stelle man sich vor, dass es einen Tag lang kein einziges Kreuzfahrtschiff in Basseterre gibt und somit muss man sich die Shoppingmeile mit absolut Niemandem teilen. Also wirklich alles leer – leerer geht’s gar nicht mehr. In allen Läden waren wir die einzige Kundschaft und konnten so in Ruhe alles anschauen und auch das Eine oder Andere ‘gänggele’.

Am Sonntag machten wir uns auf die siebenstündige sehr schaukelige Überfahrt nach St. Barths. Es hatte bis zu drei Meter hohe Wellen genau auf die Seite vom Schiff. Falls ihr uns ab und zu beneidet, dass wir so ein schönes Leben führen können, dann schaut euch mal dieses 20 Sekunden dauernde Filmchen an und hängt es in eine Endlosschleife für sieben Stunden – Link.
Das sind dann mal so Momente, wo die Bordfrau den Bettel hinschmeissen könnte 😉

Aber kaum im (völlig überfüllten) Ankerfeld angekommen vergisst man es recht schnell. Vor allem wenn man einen so komplett verhauenen Anlegeversuch an eine Boje den anderen Ankerliegenden bietet, wie wir das in Gustavia der Hauptstadt von St. Barths vollführten. Rückblickend gesehen war es eine Verkettung von unglücklichen Umständen, dass KISU scheinbar in die Bojenleine des Nachbarschiffes und damit in dessen Schiff geriet. Dies half uns jedoch nichts, als wir dann zu viert kämpften (wir von der KISU und die beiden Herren auf ihrem Schiff) um die Bug-Reling aus KISU rauszuhalten damit möglichst wenig Schaden entsteht. Und dann erlebten wir eine Flutwelle von zu Hilfe eilenden Herren von anderen Schiffen mit ihren Dinghys, welche seinesgleichen sucht. Drei Gummidinger rasten zwischen unsere beiden Schiffe (ein viertes machte sich bereits auf den Weg zu uns) und dank inzwischen vorhandenen Fendern sprang der Eigner des von uns belästigten Bootes ins Wasser um nachzusehen, ob wir wirklich seine Leine in unserem Propeller hätten. Phuu – wir hatten nicht! Sogleich fingen die drei Gummidinghys an uns seitwärts vom anderen Schiff wegzuschieben. Somit konnte der Skipper auch wieder manövrieren und mit Unterstützung eines Dinghyfahrers konnten wir KISU an die Boje legen. Es hat uns als Dankeschön einige Flaschen Wein gekostet, aber die haben wir gerne gegeben. Am anderen Schiff ist gottlob gar nichts passiert. KISU ziert nun allerdings ein verbogener Relingdraht sowie eine leicht verbeulte Mittelklampe. Einfach Glück gehabt!
Beim Sundowner hatten wir uns vom Schrecken soweit erholt, dass wir die anderen Boote im Ankerfeld in Augenschein nehmen konnten. Wir entdeckten da bereits einige Rennyachten (darunter auch wieder die ‘Rambler88’) welche an der Regatta ab morgen teilnehmen würden sowie die Motoryacht ‘Le Grand Bleu’, immerhin mit ihren 114 Metern Länge die Nummer 25 der Privatyachten. Die Le Grand Bleu führt zusätzlich einen Hubschrauber, ein 23 Meter langes Motorboot, sowie ein Mini-U-Boot und man höre und staune eine 22m-Segelyacht (die an Deck aufgeriggt und segelfertig transportiert wird) an Bord mit. Zu eurer Erinnerung: KISU ist ‘nur’ 13m lang.

Am nächsten Tag hiess es einklarieren, was hier übrigens ganz easy am Computer im Marina Office erfolgt und von den dort anwesenden Herren sehr freundlich, sehr kompetent und lächelnd abgeschlossen wird. Dort wurde uns dann allerdings auch gesagt, dass eigentlich alle Bojen privat vermietet seien, aber während der Regatta die meisten Bojenbesitzer mit ihren Schiffen freiwillig das Feld räumen. Darauf verlassen könnten wir uns jedoch nicht, wenn es dumm läuft…. Das machte uns dann doch etwas nervös und so beschlossen wir, uns die Regatta vom Cockpit aus anzuschauen. Da wir gleich an der Boje hinter KISU ein teilnehmendes Schiff liegen hatten, konnten wir den Vorbereitungen zum Rennen sowie den Abschlusstätigkeiten, wenn sie von der Regatta zurückkamen, hautnah zuschauen. Das Rennen selber sahen wir eher etwas entfernt, aber dank des Skippers Kenntnissen über die Teilnehmer und einem sehr guten Feldstecher wurde die Bordfrau über die Führungsabfolge aktuell auf dem Laufenden gehalten. Wenn die Schiffe dann zurückkamen, konnten wir die meisten aus etwa 50m Distanz an uns vorbeiziehend bestaunen.

Den Dienstag nutzten wir für einen ausgedehnten Rundgang durch Gustavia inklusive der Begehung des Fort Carl’s, welches einen wunderbaren Ausblick über die Stadt mit ihrem Hafen und dem Fort Oscar bis hinaus aufs Ankerfeld bot sowie auf hübsche Buchten auf der anderen Seite. Die Stadt selber ist sehr sauber und freundlich, aber nicht ganz billig. Die Boutiquen haben ihren Minimumpreis wohl auf 100 USD festgelegt und dann natürlich nach oben offen. Es gibt selbstverständlich auch die passenden Namen an den Schaufenstern wie Prada, Yves Saint Laurent, Dolce Gabbana und wie die alle heissen. Aber nett anzuschauen. Wir begnügten uns dann mit dem Einkauf des Allernötigsten im Supermarkt, wobei auch die Preise super waren – nämlich superteuer.
Wir klarierten im Marina Office wieder ganz schnell und freundlich aus und setzten uns dann noch einen Moment an den Hafenpier um auf den Einlauf der Regattateilnehmer zu warten um wenigstens Jürg auf seiner GORDONS kurz Hallo sagen zu können. Es machte uns nämlich keinen Spass an einer Boje zu hängen die wir vielleicht im dümmsten Moment freigeben müssten, zudem waren die Ankermöglichkeiten bereits von zahlreichen anderen Schiffen bis zum letzten Eckchen ausgeschöpft. Also hatten wir beschlossen, schon am Mittwoch nach Sint Maarten weiterzuziehen. Jürg hat sich gefreut uns nochmal zu sehen, aber wahrscheinlich trennen unsere Wege sich hier in St. Barths. Während er nach der Regatta zurück nach Antigua fährt und im Mai dann endgültig retour nach Europa, werden wir noch etwas weiter nach Norden fahren bevor wir uns dann wieder südwärts wenden.

Unser Fazit für Nevis und St. Kitts – kann man getrost auslassen.
Fazit St. Barths – sehr schön, würden wir wieder besuchen aber nicht mehr während einer Regatta.

Gaby