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Die Überfahrt von Dominica nach Guadeloupe traten wir im bewährten GORDONS/KISU-Konvoi an – Start KISU um 11:00, eine Stunde später folgte uns GORDONS. Diesmal schaffte es KISU wirklich als Erste am Ziel einzutreffen. Nun gut, die Überfahrt dauerte nur zweieinhalb Stunden und wegen fehlenden Windes wurde die ganze Strecke motort 😉 Was wir schon vor Dominica erlebt hatten, nämlich das plötzlich riesige Baumstämme im Meer schwammen, passierte uns auch kurz vor den Iles des Saintes. Diesmal war es nur ein einzelner Stamm aber es zeigte uns, dass wir noch konzentrierter auf dem Meer Ausschau halten mussten. Zudem werden wir gelegentlich an Spaniens und Portugals Küste erinnert – wir suchen uns plötzlich wieder einen Weg durch Fischerbojen.
Durch die Inselgruppe Iles des Saintes hindurch zu schippern war wegen engen Durchfahrten und einigen Untiefen recht spannend aber optisch wunderschön.
Vor dem Eiland Terre d’en Haut warfen wir den Anker, da es keine freien Bojen mehr vor Bourg des Saintes hatte. Da wir auf 18 Meter Tiefe ankern mussten war uns erst nicht so richtig wohl, aber der Rocna-Anker tat seinen Dienst wie immer perfekt. Was uns weniger Freude bereitete, war die Feststellung das unser gesamtes Süsswasser weg war. Es hätten mindestens noch 150 Liter im Tank sein müssen. Der Skipper durfte nun, statt einen Ankertrunk zu sich nehmen zu dürfen, in die Tiefen von KISU vordringen. Er fand jedoch in keiner Bilge einen verdächtigen Hinweis auf Wasser. Da die undichte Stelle in den Leitungen nur mit Hilfe von Wasser gefunden werden konnte, musste mit dem Watermaker erst neues Süsswasser produziert werden. Dies ermöglichte dem Skipper dann wenigstens die verdiente Ankertrunkpause 😉 Gleich darauf ging die Suche nach dem Leck weiter und nach einiger Zeit war der Übeltäter dann gefunden: die Zuleitung zum Boiler war buchstäblich geplatzt. Ersatz war keiner an Bord darum verschloss der Skipper provisorisch die Leitung und anschliessend lief der Watermaker auf Hochtouren um den Tank wieder aufzufüllen.
Den Abend verbrachten wir mit der GORDONS-Crew in einem Restaurant – diesmal schipperten wir die GORDONS mit unserem Bananaboot hin und zurück, jedoch mit Hilfe des Torqeedo-Motors. Zugelassen ist unser Dinghy für 3 Personen, also war es mit 5 Personen leicht überladen. Dank vorsichtiger Fahrweise des Skippers und gelegentlichem Wasserschöpfen der Bordfrau überstanden wir die Fahrten jedoch gut. Die Ortschaft Bourg des Saintes ist voller französischem Riviera Flair. Viele Restaurants liegen direkt am Wasser und wechseln sich mit Boutiquen für den Kreuzfahrttouristen ab. Es herrscht geschäftiges Treiben, wenn so ein Kreuzfahrtschiff seine Passagiere an Land spukt, jedoch ohne hektisch zu werden. Uns gefiel es mal wieder so gut hier, dass wir gleich drei Tage blieben um das ‘Savoir-vivre’ zu geniessen. Wir fanden einen brauchbaren Ersatz für die defekte Wasserleitung welche der Skipper mit diversen Übergangsstücken umgehend eingebaut hat.

Am Donnerstag hiess es mal wieder Abschied nehmen. Während die GORDONS nach Pointe-à-Pitre weiterzieht wo Claudia und Martin das Schiff verlassen werden um auf ihren Trimaran zurückzukehren, geht es für KISU die Westküste von Guadeloupe hinauf. Erster Anlaufpunkt war Pigeon Island welches ein Hotspot fürs Schnorcheln und Tauchen sein soll. Hier erleben wir zum ersten Mal, dass unser Anker nicht auf Anhieb hält. Wir mussten fünf Versuche an verschiedenen Stellen fahren bis der Anker endlich hielt. Als wir dann jedoch sahen, dass es den anderen Schiffen genau gleich erging, waren wir beruhigt – es lag also nicht an uns 😉 In der Ankerbucht lag die YUANA und so gab es ein kleines Wiedersehen mit dem männlichen Teil der Crew, als Markus und sein Sohn eine Stippvisite auf KISU machten. Von Markus erfuhren wir dann auch, dass wir uns den Landgang schenken könnten da es nichts Sehenswertes hätte und wegen zu grosser Wellen die sich am Strand brachen, wir mit unserem Bananaboot grösste Mühe hätten dort anzulanden. In Pigeon Island hätte es Bojen für die Dinghys zum Anbinden während dem man schnorcheln ginge, aber auch das war mit unserem Bananaboot nicht möglich, da wir wohl problemlos ‘über Bord’ gehen können aber nie mehr zurück kommen da das Dinghy so ‘kippelig’ ist. Somit war für den Skipper und die Bordfrau schnell klar, morgen ziehen wir weiter. Immerhin bekamen wir noch einen wunderschönen Sonnenuntergang geboten.

Am nächsten Tag war Schwachwind angesagt, also starteten wir den Motor und tuckerten Deshaies (sprich: De-e) entgegen. Es briste dann etwas auf sodass das Code Zero erneut zum Einsatz kam. Bei gemütlichen 12-14 Knoten Wind segelten wir so vor uns hin als sich ein plötzlicher Winddreher in unserem Segel zu schaffen machte. Es kam wie es kommen musste – das Code Zero verfing sich in der Radarschüssel, ein weiterer Winddreher mit einer starken Böe schlug das Segel zurück in die Ausgangslage und mit hässlichem Geräusch zerfetzte es buchstäblich unser Code Zero. Mit Ach und Krach konnten wir das nun mehrteilige Segel einrollen und fuhren dann ziemlich bedröppelt in die Ankerbucht von Deshaies ein. Obwohl es erst kurz vor Mittag war, war die Bucht schon ziemlich überfüllt, aber im dritten Anlauf hielt der Anker mitten im Feld. Die Bordfrau befand dann den Ort für nicht sehenswert was natürlich an dem mies verlaufenen Segeltag lag und wäre am liebsten gleich auf eine der nächsten Inseln weitergezogen. Der Skipper bleibt in solchen Situationen jedoch der ruhende Pol und nachdem wir unseren ersten Erkundungsgang im Örtchen gemacht hatten, war auch die Welt der Bordfrau wieder in Ordnung. In der Bucht herrscht ein tägliches kommen und gehen der Schiffe und so verwundert es nicht, dass wir nicht nur YUANA hier wiedergetroffen haben. Aus der Atlantik-Odyssey-Gruppe trafen nach und nach auch KRABAT, WILDSIDE und DREAM CATCHER hier ein und wir lernen neue Leute von neuen Schiffen kennen wie die Schweizer Marcel und Cornelia mit ihrem Sohn von der MARELIA oder aus Deutschland Rosi und Markus von der ROSSY. Andere lernen wir eher ungewollt kennen, weil sie viel zu nahe neben uns ankern und wenn dann der Wind mal wieder dreht oder einschläft …. Somit ist klar wie die meisten Tage vergingen: Apéro hier, Nachmittagsumtrunk dort oder Sundowner bei uns. Am Rande sei hier mal erwähnt, dass man sehr gut all diese Anlässe auch mit herrlichen Fruchtsäften oder Mineralwasser begehen kann. Wir dröhnen uns also wirklich nicht von morgens bis abends zu 😉
Ein besonderes Highlight sind jeden Tag die beiden Delphine welche hier in der Bucht die vor Anker liegenden Schiffe besuchen. Mehrere Stunden tummeln sich die Delphine zwischen den Schiffen, schwimmen mit den schnorchelnden Bootsleuten um die Wette um dann plötzlich abzutauchen und kurz darauf bei einem anderen Schiff erneut aufzutauchen. Herrlich!

Da Deshaies für uns der letzte Ankerplatz auf Guadeloupe ist und nur auf dieser Insel die einzige Torqeedo-Vertretung in der Karibik liegt, war ein Ausflug mit dem öffentlichen Bus nach Pointe-à-Pitre natürlich vorgegeben. So hiess es am Montagmorgen mit dem Dinghy an Land, zur Bushaltestelle bei der Kirche laufen und geduldig warten, bis ein Bus kommt. Einen Fahrplan gibt es nämlich nicht – was in der Karibik absolut gang und gäbe ist, aber immerhin gibt es hier offizielle Haltestellen. Wir hatten Glück und innerhalb von fünf Minuten kam unser Bus. Erstaunlicherweise waren wir die einzigen Weissen im Bus, aber wir haben uns in keinem Moment unwohl gefühlt. Wir haben uns bei jedem Halt vom Bus (indem man mit einem Geldstück heftig an die Scheibe klopft teilt man dem Chauffeur mit, dass man austeigen will) amüsiert, wie die Insassen scheinbar ‘Reise nach Jerusalem‘ spielen und sich immer wieder einen neuen Sitzplatz aussuchen. Nach 2 Stunden (halbe Stunde Stau) trafen wir im Industriequartier von Pointe-à-Pitre ein.
Wir fanden recht zielstrebig den vom Skipper im Internet ausgewählten Laden ‘Uship’. Und nun stell sich einer die Augen des Skippers vor – wie ein Kind vor Weihnachten im Spielzeugladen. Es war der grösste und bestsortierteste Schiffszubehörladen den wir jemals betreten hatten. Über eine Stunde schlenderte der Skipper mit der Bordfrau im Schlepptau durch die Regale, packte hier was in den Einkaufskorb, liess vom Verkäufer da was im Lager besorgen, wenn die Bordfrau sich mal mehr als fünf Meter von ihm entfernt hatte fand sie in mit vollen Händen wieder vor, froh dass er ihr alles in den Einkaufskorb geben konnte, der Angestellte wurde zum Leinen zuschneiden beordert……. Ich denke, wenn wir nicht zwischenzeitlich mal den Totalbetrag der bereits an der Kasse deponierten Ware erfahren hätten, wir stünden immer noch in dem Geschäft. Der Verkäufer gab uns dann noch eine Menge Tipps mit auf den Weg wo es sich auch noch lohnen würde mit KISU zu ankern. Einmal mehr, wir haben sehr positive Erfahrungen mit der Freundlichkeit der Leute an Land erfahren.
Für die Rückfahrt mussten wir diesmal fünfzig Minuten auf den Bus warten, aber mal eingestiegen ging es flott zurück nach Deshaies, wo wir pünktlich zum Sonnenuntergang schwerbeladen auf KISU eintrafen.

Den nächsten Tag haben wir damit verbracht, alle am Vortag erstandenen Leinen, Rollen, Schrauben, neuen Torqeedo-Zündschlüsselmagneten (den alten hatten wir ja auf Barbados versenkt) Splinten und vieles mehr auf KISU zu verbauen. Das Code Zero haben wir in seine Segeltasche gepackt und hoffen in naher Zukunft einen Segelmacher für die Reparatur zu finden.
Nachdem auch wir gemütlich im Cockpit sitzen, amüsieren wir uns über die Bootsnachbaren die wir in unterschiedliche Kategorien einstufen 😉 Da gibt es die ‘Erdmännchen’ welche bei jedem Geräusch oder bei neu eintreffenden Booten aus ihrem Cockpit schiessen um ja nichts zu verpassen. Oder dann die ‘Franzosen-Ankerer’ (es können aber auch Kanadier, Amis oder Engländer sein) welche in die Bucht einfahren, Anker und Ankerkette auf einen Haufen schmeissen und ohne ihn einzufahren dann möglichst schnell mit dem Dinghy an Land brausen (auf Drift haben wir trotzdem erst ein Schiff erlebt). Die ‘Klimatisierten‘ haben einen roten Honda Generator an Deck und produzieren so Strom für ihre Klimaanlage (mit entsprechendem Lärm). Die Spezies ‘Hänge seit Jahren hier’ ist meist eher erschütternd anzusehen und die Gruppe ‘Alt-Hippies’ hat irgendwann den Anschluss verpasst aber viel Spass am Leben.

Um segeltechnisch nicht einzurosten, wird es auch für uns langsam Zeit Anker auf zu gehen. Heute Donnerstag heisst es mal wieder ausklarieren und Morgen Freitag gilt es, die nächste Insel anzusteuern – Antigua.

Gaby