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In Saint-Anne nochmal an Land zu gehen haben wir tatsächlich drei Tage lang wegen dem Starkwind nicht mehr geschafft. Wir haben unser Bananaboot ja mittlerweile recht gut im Griff, aber was zu viel an Welle ist, ist zu viel! Verhungern mussten wir trotzdem nicht; wir hatten sogar noch Raclettekäse und Kartoffeln an Bord also machten wir aus widrigem Wetter das Beste und probierten unser Racletteöfchen, welches mit Rechaudkerzen betrieben wird aus. Und siehe da es funktionierte einwandfrei, wir mussten mit der Zeit sogar zwei von vier Kerzen entfernen, so schnell ist der Käse geschmolzen. Und geschmeckt hat es wie zu Hause 😊 Einziger Nachteil: wegen des Windes konnten wir den Racletteofen nicht im Cockpit stehen haben – der Wind blies uns die Kerzen laufend aus.

Am Montag, dem 12.Februar wechselten wir den Ankerplatz wieder zurück nach Le Marin um dort endlich die kaputte Endlosleine vom Code Zero Segel durch eine Neue ersetzen zu lassen. Nach unzähligen Shipchandler welche wir deswegen bereits erfolglos heimgesucht hatten, waren wir hier fündig geworden. Obwohl derjenige welcher sonst solche Leinen für das Geschäft herstellt wegen Unfall ausgefallen war, hatte der Laden jemanden aufgetrieben, der uns diese Leine herstellen würde. Der Skipper war jedoch schockiert, als er die Leine in Händen hielt. So hässlich hätte auch die Bordfrau spleissen können, aber da wir nicht wussten wie man ‚endlos‘ spleisst hatten wir es ja in Auftrag gegeben. Selbst der Ladenbesitzer war unglücklich über die Ausführung aber er hat uns immerhin nur 50 Euro verrechnet. Den Preis für die Leine hat er uns erlassen. Wir sollen es mal probieren, ob wir die Leine in die ProFurl-Rolle montieren könnten – wir konnten nicht!
So entschlossen wir uns mal nachzusehen ob die für die Bordfrau bestellte Sonnenbrille mit Korrekturgläser fertig wäre – war sie natürlich nicht. Unser Pech war noch, dass für die nächsten drei Tage Karneval angesagt war, also wurde nicht gearbeitet und die Dame im Optikergeschäft meinte eventuell am Freitag oder dann sicher am kommenden Montag wäre die Brille abholbereit. Solange wollten wir nun aber nicht in Le Marin liegen bleiben.
Die nächsten zwei Tage kauften wir noch ein was nicht einfach war, denn alle Geschäfte hatten verkürzte Öffnungszeiten oder gar geschlossen wegen des Karnevals. Am Dienstag waren wir für einen Grillabend auf MIRABELLA welche im Hafen lag, eingeladen. Wie immer hatten wir mit ihnen eine herrliche Zeit, auch wenn diesmal ein Wehmutstropfen in der Luft lag. Vielleicht sind wir uns an diesem Abend zum letzten Mal auf unserer Segelreise begegnet. MIRABELLA wird nun in Richtung Panama und dann Südsee weiterziehen, während wir ganz gemütlich Richtung Norden schippern werden um uns noch weitere Karibikinseln anzusehen.
Den Mittwoch verbrachten wir vorwiegend mit KISU für die nächste Fahrt aufräumen und mit Dinghi reinigen. Widerlich, was sich da unten am Bananaboot an Bewuchs angesammelt hatte.
Am Donnerstag holten wir den Anker auf und konnten, kaum waren wir aus der Bucht raus, nur mit der gesetzten Genua bis kurz vor Fort-de-France segeln. Bis zur Marina Etang Z’Abricots mussten wir etwa noch eine Stunde den Dieselwind zur Hilfe nehmen und dann waren wir mal wieder in einem Hafen am Steg vertäut.
Die Marina liegt abseits in einem Industriequartier, dafür sind die Liegeplatzkosten sehr günstig. Somit war es an der Zeit, die Fahrräder mal wieder auszupacken. Damit radelten wir am nächsten Tag mal Richtung Carrefour um zu sondieren was wir hier Zwecks Bunkern auf KISU einkaufen könnten. Vor dem Hafentor hatten wir die Wahl uns nach rechts oder links zu begeben – wir entschieden uns für rechts. Nach kurzer Strecke ging die Strasse recht steil bergauf und endlich schwer schnaufend oben angekommen fuhren wir in rasanter Fahrt die eben erklommene Höhe wieder hinab. Über Schotterfelder und Fusswege umgingen wir das Stade Municipal Pierre Aliker und mussten dann erneut einen Hügel hinauf pedalen. Der Carrefour war riesig und wir kauften auch bereits ein paar Flaschen Rotwein auf Vorrat ein und so dies und das, bis wir an der Kasse beim einpacken feststellten, es wird nicht einfach werden dies alles zum Schiff zurück zu fahren. Erst mussten wir die fünfspurige Autostrasse queren. Gottlob konnten wir eine kleine Unterführung nutzen aber das hiess auch die Velos mit den Taschen Treppen hinuntertragen und auf der anderen Seite wieder hoch. Dann musste der Hügel wieder erklommen werden, um auf der anderen Seite wieder hinunter in die Marina zu kommen. Das ganze bei 30 Grad im Schatten! Auf dem Schiff zurück war klar, wir werden uns in der kommenden Woche für drei Tage ein Mietauto zulegen müssen.

Die Velos wurden dennoch am Samstag erneut ‘gesattelt’, wir wollten uns die Altstadt von Fort-de-France anschauen. Diesmal wählten wir die Strasse nach links vom Hafen aus. Nach nur wenigen Metern landeten wir hier auf einer Schotterstrasse voller grosser Schlaglöchern die es zu umfahren galt, immerhin diesmal alles auf ebenem Wege. So zirkelten wir etwa fünf Minuten lang im Schneckentempo um diese mit Regenwasser gefüllten Schlaglöcher herum. Die Bordfrau dachte schon, dass wir uns bestimmt heillos verfahren hätten, da wurde der Weg zu einer geteerten Strasse und gleich um die Ecke standen wir wieder vor dem Sportstadion, welches wir gestern mit überwinden von zahlreichen Höhenmetern erreicht hatten. Das wäre also auch einfacher gegangen 😉 Unsere Räder stellten wir an der Hafenpromenade ab und machten uns zu Fuss auf die Umgebung zu erkunden. Die Altstadt war voller Shops und Geschäften welche wie ich vermute den Passagieren von Kreuzfahrtschiffen dienlich sind. Speziell fanden wir die Kathedrale Saint-Louis, welche eine im Jahr 1895 am Standort mehrerer Vorgängerbauten als ein leichter feuer- und erdbebensicherer Metallskelettbau nach den Plänen des Architekten Pierre-Henry Picq errichtet wurde. Ansonsten haben wir uns nicht sehr viel angeschaut, steckte uns doch noch die Radtour vom Vortag in den Knochen. Also hängten wir lieber noch etwas auf KISU ab.

Den Sonntag verbrachten wir mit einigen ToDo’s, unter anderem war die schrecklich gemachte Endlosleine mal wieder ein Thema. Der Skipper hatte Herrn Google zu rate gezogen und tatsächlich einen Film mit Anleitung gefunden. Mit einem Stück von der alten Leine machten wir sogleich einen Testversuch welcher jedoch nicht so recht gelingen wollte – fehlte uns doch eine sogenannte Spleissnadel auch D-Splicer genannt. Am Nachmittag machte Franko der sein Schiff FROESIE am Nachbarsteg liegen hat, einen Besuch bei uns auf KISU. So während dem Schnacken kam auch mal die Endlosleine zur Sprache und siehe da, Franko hatte eine Spleissnadel welche wir uns morgen bei ihm ausleihen könnten.

Neuer Tag, neues Glück. Mit der geborgten Spleissnadel übten wir erst noch am Teststück, schafften es jedoch nicht den Mantel des einen Leinenendes in das andere Mantelende zu ziehen. Die Bordfrau hatte die Hoffnung, dass es an der harten alten Leine lag und meinte wir machen uns mal an die neue, geschmeidigere Leine. Gesagt, getan und siehe da, nicht leicht aber wir schafften es tatsächlich, die Mantelenden einzuziehen. Noch den Einzug zunähen, die Kerne der Leine etwas kürzen und den Rest in die Leine zurück ziehen – é Voila – ihr könnt auf den Fotos selber entscheiden ob es gelungen ist. Besser als was wir aus dem ‘Fachgeschäft’ erhalten haben ist es allemal 😊

Am Dienstag haben wir dann unser Mietauto, einen Peugeot 207 in einem Hinterhof abgeholt und sind inzwischen schon wie die Wilden in der Gegend herumgefahren. Für die Sonnenbrille haben wir sogar den Weg zurück nach Le Marin gemacht, leider erfolglos. Die Brille ist auch nach 14 Tagen noch nicht gemacht, also konnte der Optiker die Bestellung stornieren. Die Falten im Gesicht der Bordfrau werden somit ausschliesslich wegen der Sonne mehr werden und nicht etwa wegen dem Älterwerden. Mit dem Auto ist nun kein Shipchandler auf dieser Insel mehr vor uns sicher. Baumärkte und Lebensmittelgeschäfte werden leergekauft, so als könnten wir die nächsten drei Monate nichts mehr einkaufen. Aber so billig wie hier werden wir nicht mehr dazu kommen, also gilt es zu bunkern. Jeden Abend schleppen wir einen vollen Handwagen, den wir vom Hafen nutzen dürfen, vom Parkplatz bis zu KISU und vollbringen dann immer wieder das Unmögliche, irgendwie und irgendwo einen Stauraum für alles Erstandene zu finden.
Da es uns hier gefällt und für nächste Woche endlich mal weniger Wind angesagt ist, verschieben wir unsere Weiterfahrt spontan. Und schliesslich haben wir das Auto bis Freitag gemietet was uns doch noch ein/zwei Fahrten ermöglicht 😉

Gaby