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Heute haben wir uns mal den Touristen-Heerscharen angeschlossen. Auf dem Tagesprogramm steht eine ÖV-Busfahrt zum Botanischen Garten mit Besuch desselben, anschliessend setzen wir mit einer Gondelbahnfahrt nach Monte über und runden das Ganze mit einer rasanten Korbschlittenfahrt ab.

Alleine die 30-minütige Busfahrt war ein echtes Abenteuer für sich und wir sassen buchstäblich in der ersten Reihe. Wie der Bus sich durch die teils engen Gassen steil bergauf windet ist unglaublich. Vor einigen Kurven hupt der Chauffeur, weil es für die nächsten 50 Meter nicht ersichtlich ist ob da ein anderes Fahrzeug entgegenkommt (kreuzen unmöglich und selbst die Fussgänger müssen ausweichen), dann wiederum muss der Bus fast den Retourgang einlegen damit er um die engen Kurven herumkommt. An einigen Häusern sind auch Spuren von Aussenspiegeln oder Stossstangen von vergangenen Fahrten ersichtlich. Wer nun glaubt, dass die Busse langsam unterwegs seien, irrt sich gewaltig. Durch wie bereits erwähnt unserer Sitzplätze fast hinter der Windschutzscheibe hatten wir natürlich perfekte Sicht auf alles. Und mehr als einmal mussten wir uns krampfhaft festhalten, wenn er wie ein Formel-1-Fahrer um die nächste Kurve bretterte. Unser Bus brachte die Fahrt jedoch ohne Schäden an Fahrzeug und Fahrgästen mit stoischer Ruhe hinter sich 😊

Der Botanische Garten liegt beim Quinta do Bom Sucesso auf einem Hügel mit herrlicher Sicht über die Stadt Funchal. Er erstreckt sich über eine Fläche von 35’000 m2 mit einer erstaunlichen Kollektion an Bäumen, Sträuchern, Palmen, Kakteen sowie zahlreichen einheimischen und exotischen Blumen. Der Andrang in dieser Anlage hielt sich in Grenzen, da es heute teilweise Bewölkt war. So konnten wir in Ruhe durch den Garten schlendern und der Skipper hat mit seiner Canon EOS-Kamera (nein es ist immer noch nicht die EOS 7D 😉) all die tollen Bilder eingefangen.

Nun war es an der Zeit mit den Cable Cars auf den Monte überzusetzen. Die ‘Talstation’ befindet sich gleich oberhalb vom Botanischen Garten und brachte uns in 6er-Gondeln von 300müM auf 600müM. In Monte angekommen, gönnten wir uns noch eine ‘Henkersmahlzeit’, denn anschliessend würden wir uns mit den Korbschlitten die engen Strassen hinunterstürzen.
Früher war es natürlich alles andere als ein touristischer Jux, sich per Korbschlitten von Monte herab nach Funchal fahren zu lassen. Die ‘Carros de Cesto’ waren die ersten öffentlichen Verkehrsmittel auf Madeira seit Anfang des 19. Jahrhunderts und dann auch nur talwärts. Erst als die Briten Ende des 19. Jahrhunderts kamen, wurde das 70 kg schwere altehrwürdige Gefährt „Toboggan“ – so nennen es die Engländer – zur touristischen Attraktion.
Diesen Spass wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, wenn auch der Skipper sich wesentlich mehr darauf freute als die Bordfrau. Während wir so durch die Reihe der wartenden Schlitten liefen, konnten wir zusehen wie die teils schon etwas verbrauchten Gefährte an den Kufen noch eingefettet wurden damit sie auf der Strasse auch recht schnell würden. Der Skipper erstand ein Ticket (30 Euro – dafür kann man sonst am Rio Douro dick zu Abend essen), wir konnten auch gleich Platz nehmen und ab ging die Fahrt: zwei weiss gekleidete Männer mit Strohüten, die ‘Carreiros’, schieben den Schlitten schwungvoll an oder bringen ihn auch mal an Seilen gezogen in Fahrt. Recht rasant geht es auf der abschüssigen Strasse, auch von Autos befahren, hinab. Ein Fuss bleibt auf der Kufe und mit dem anderen wird gelenkt oder beschleunigt.
Wer möchte, kann sich unsere fünf Minuten dauernde Fahrt mit dem Schlitten hier ansehen; der Skipper hat natürlich auch seine GoPro mit auf den Ausflug genommen: Video siehe hier.
Also der Bordfrau hat die Abfahrt richtigen Spass gemacht während ich mir beim Skipper nicht ganz sicher bin. Irgendwie wirkte er zeitweise etwas angespannt 😊

Leider endet die Schlittenfahrt nicht am Hafen unten, so dass wir noch sicher eine Stunde steil bergab laufen mussten. Der Muskelkater ist bei der Bordfrau mal wieder mörderisch während der Skipper behauptet, er spüre nichts davon. Ich muss es ihm wohl glauben, denn er steht am nächsten Tag schon wieder locker auf unserem Stand-Up-Paddle-Board und zieht seine Runden im Hafenbecken während die Bordfrau nach einer Minute bereits aufgeben muss.

Unsere Tage hier auf Madeira gehen leider schon dem Ende entgegen. Funchal war schön, den neuen Hafen können wir jedoch nicht wirklich in unsere Top 10 aufnehmen. Der Liegeplatz selber ist toll (uns hat der Schwell nicht gestört) aber die sanitären Einrichtungen sind schlicht nicht vorhanden (abgesehen von einer öffentlichen Toilette neben dem Hafen) und WiFi gibt es nicht! Der zuständige Marina Angestellte (wir nennen ihn mal ‘Räfu’) scheint die Platzverteilung nicht so ganz im Griff zu haben; wir liegen nicht wie abgemacht auf Platz 37, sondern auf 32 (was uns ja egal ist) und obwohl wir erst dienstags fahren wollten, heisst es nun plötzlich wir können nur bis Montagmorgen liegen bleiben aber vielleicht dann doch bis Dienstag. Der Zoll wollte als wir heute kurz zum Tanken in die 100 Meter entfernte Tankstelle fuhren auch schon eine Krise schieben, weil die meinten wir wollen Madeira verlassen ohne uns abzumelden. Dabei hatten wir das Räfu gemeldet. Sorry Portugal, aber wir sind uns von dir Besseres gewöhnt ☹
Wie auch immer, uns ist das Hin und Her jetzt zu umständlich und somit freuen wir uns richtig darauf am Montagmorgen die Leinen zu lösen und uns auf den Weg weiter in den Süden auf die Kanarische Insel La Palma aufzumachen. Die ca. 250 Seemeilen hoffen wir bis Dienstagabend zurückgelegt zu haben.

Gaby