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Herrlich so ein freier Tag ohne Verpflichtungen – schön wäre es gewesen, wenn dazu die Sonne geschienen hätte oder vielleicht gar die Tageshöchsttemperatur über 12 Grad gegangen wäre. Aber nein es regnete in Strömen und dazu ging noch starker Wind so dass der Regen auch mal waagerecht daherkam. Kurz gesagt: man hätte nicht mal einen Hund nach draussen geschickt. Egal, nicht motzen sondern das Beste daraus machen. Den Morgen haben wir gemächlich vertrödelt, auf den Mittag zogen wir uns warm an, schlüpften in festes Schuhwerk und unsere Regenjacken und zogen los. Ölzeug und Gummistiefel wären die noch bessere Wahl gewesen wie sich im Laufe des Nachmittags zeigte. Da unsere Marina in East Cowes lag setzten wir mit einer Chain Ferry über den Kanal in den Stadtkern von Cowes. Diese Fähre zieht sich mit Hilfe von zwei riesigen Stahlketten über den Fluss. Die Innenstadt selber bestand aus zahllosen Segelbekleidungsgeschäften, einigen Schiffszubehörläden und vor allem aus Lokalitäten vom Cafe über Restaurants, Take aways bis hin zu Pubs. Letzte Woche hat hier die alljährliche Cowes-Week-Regatta stattgefunden und die Strassen waren davon noch festlich beflaggt. Einmal quer durch den Ort in dem die Strassen teilweise vom starken Regen überflutet waren, in drei Zubehörgeschäften gestöbert und auch fündig geworden, eine kleine Stärkung für den Magen und völlig durchfroren zogen wir es dann vor uns mit der Ferry wieder überzusetzen und auf KISU zurück die Heizung anzuwerfen. Den Rest des Tages vertrödelten wir dann, jeder für sich beschäftigt mit administrativen Arbeiten, Schrauben und Muttern sortieren oder auch mal einfach mit nichts tun, lesen oder Musik hören.

Für den Donnerstag 10. August war ein kürzerer Trip als gewünscht geplant, da mal wieder wegen der Tiden und den hier vorherrschenden starken Strömungen vor Mittag kein Wegkommen aus dem Hafen möglich war und dann nur Stunden später die Strömung wieder gegen uns sein würde.
Mal ganz ehrlich unter uns: die spinnen die Briten in so einem Gebiet Segelbegeistert zu sein. Uns macht das wirklich keinen Spass tagtäglich herauszufinden ob nun morgen ein günstiger Tag zum Auslaufen ist, weil dann die Strömung passend, der Tidenstand günstig, vielleicht mal kein Starkwind angesagt ist, und dann die Strömung unter Umständen in 3 Stunden nicht doch komplett ändert und dann wieder gegen uns ist. Oder auch noch eine nette Variante: am Zielort ist dann gerade Ebbe, die Strömung oder Starkwind gegen uns, so dass man den Hafen nicht anlaufen kann… Engländer lasst euch gesagt sein: im Mittelmeer könnt ihr in den Häfen ein- und auslaufen wann es euch gefällt und meist unter herrlicher Sonne und beständigem Tageswind dahinsegeln.
Nun denn, bei strahlendem Sonnenschein um 13:00 legten wir in Cowes ab, kämpften uns zur Hafenausfahrt hin an drei Fähren durch und konnten gleich danach Grosssegel und Genua setzen – der Wind war mit uns. Dank der wohlgesinnten Strömung sausten wir mit bis zu 10.2 Knoten den Solent hinunter und dies bei nur 12 – 13 Knoten Wind! Dass hier natürlich der Wind sich gerne drehte oder kurzfristig ganz verabschiedete um dann wieder zu kommen, wir Untiefen umsegeln mussten und auch das Wasser sich mal von spiegelglatt über brodelnde Wellen die den Siedepunkt erreicht hatten bis hin zu langen schwellähnlichen Wellen im Minutentakt wechselte, machte dann doch keine Kaffeefahrt daraus. Aber schön war es trotzdem!
Um unseren Zielhafen Poole, einer der grössten Naturhäfen der Welt, ansteuern zu können mussten wir dann leider nach dem Solent die Richtung wechseln was uns den Wind mal wieder auf die Nase brachte. Segel runter Motor an.
Im Hafen von Cowes stammten unsere Bootsnachbaren Barry und seine Frau aus Poole. Als wir uns mit ihnen darüber unterhielten welchen der ca. fünf Häfen in Poole wir ansteuern sollen haben sie gleich mit ihrem Heimathafen Kontakt aufgenommen und uns zugesichert wir hätten dort einen Platz, gaben uns Telefonnummer der Hafenbehörde bei der wir uns kurz vor Einlaufen melden sollen und gute Tipps wie/wo zwischen den grünen/roten Tonne durchzufahren sei, da wir ja mal wieder ein etwas überdimensioniertes Schiff hatten. Nun stell sich einer das Chaos in diesem grossen Hafengebiet mit Hauptkanal und Nordkanal etc. vor. Zwischen den verschiedenen Hafenanlagen waren noch grosse Bojenfelder mit grossen Bojen in allen Farben (auch rötliche und grüngetönte) an denen zahlreiche Schiffe vor Anker lagen. Dann gab es drei verschiedene rot/grün ausgetonnte Fahrbahnen, welche noch teilweise durcheinander wuselten und unser Tiefenmesser, der gnadenlos ständig seinen Kommentar dazu piepste, dass wir zu wenig Wasser unter dem Kiel hätten. Bis 50 Meter vor unserer Hafeneinfahrt hatte der Skipper alles voll im Griff und übergab dann das Steuer an die Bordfrau damit er den Hafen anrufen konnte. Hätte die Bordfrau doch mal mehr Englisch gelernt dann hätte sie telefonieren können. Die Dame schaffte es nämlich locker KISU innerhalb von 30 Sekunden auf Sand zu setzen. Ein rügender Blick vom Skipper und er stand wieder am Steuer. Natürlich kriegte er KISU wieder frei und übernahm nun die Einfahrt. Ich stand da mit dem Telefon in der Hand und versuchte dem Anrufbeantworter etwas von wegen: ‘Here is sailingyacht KISU, please call me back….’ zu hinterlegen denn ja klar, die Hafenbehörde war um 18:00 bereits im Feierabend. Nach zwei weiteren erfolglosen Anrufen legten wir am einzigen vorhandenen Kurzzeit-Parkplatz an, der natürlich für unsere Bootslänge viel zu kurz war. Das gesamte Hafengebäude ist zurzeit im Umbau befindlich und einem Zettel an einer Baubaracke entnahmen wir, dass sich Visitors ausserhalb der Öffnungszeiten von 09:00 – 17:00 (?!?) in der Bar des Yachtclubs melden sollen. Dort war dann ein netter Herr der meinte er habe keine Ahnung wo wir einen Platz haben könnten und sie hätten sowieso keine Plätze für 13 Meter lange Schiffe, sondern nur bis 12 Meter aber wir sollen doch über Nacht ruhig dort liegen bleiben wo wir angemacht hätten. Wir konnten dann noch im Cockpit zu Abend essen, bekamen einen tollen Sonnenuntergang zu sehen und um 22:00 ein wunderschönes Feuerwerk geboten. Beim Tidentiefststand am nächsten Morgen hatten wir ziemlich sicher für einen Moment noch genau 0 Zentimeter Wasser unter dem Kiel aber einige Minuten später bewegte sich KISU bereits wieder ganz sachte.

Am Freitag war ablegen nicht vor 11:00 Uhr möglich bzw. sinnvoll aus bereits oben erwähnten Gründen, also konnten wir uns in Ruhe für den kommenden Nachmittagstrip nach Portland vorbereiten. Das Ausfahren aus dem riesigen Hafengelände überliess ich doch gerne dem Skipper. Am Ende des Hauptkanals waren natürlich noch grössere Fischerboot mitten auf der Fahrbahn seelenruhig am Angeln
Der Motor brummte wie fast jeden Tag da der Wind…. Nach etwa zwei Stunden schaukelnder Fahrt ging dann mit zunehmendem Wind und Wellenhöhe die angenehme Fahrt in einen sehr unangenehmen bockigen Ritt auf und zwischen den Wellenbergen über. Drei Stunden später nach nur einmal übergeben, sich ständig irgendwo festhalten und fast nichts was in KISU unten rumgeflogen wäre erreichten wir die Marina in Portland. Vor der Hafeneinfahrt waren Windsurfer und Kitesurfer natürlich in vollem Rausch ob des starken Windes von bis zu 8 Beaufort – für die Bordfrau wäre es auch mit weniger gegangen. Das Anlegen seitwärts gelang uns perfekt auch dank der Hilfe von wiederum netten Stegnachbarn. Schnell erledigten wir das auslegen von Spring und zusätzlichen Fendern, denn wir hatten ja mit Kurt im Hafen abgemacht. Pünktlich wie wir Schweizer nun mal sind, trafen wir fast auf die Sekunde alle beim Hafengebäude ein. Kurt hatte eine vielfältige Reise mit Auto, Flugzeug, Bahn, Metro, nochmal Bahn und Taxi hinter sich. Wir nahmen auf KISU noch schnell ein Apero und mussten dabei ohne helfen zu können zusehen, wie eine Racing-Segelyacht wegen miserablem Anlegemanöver am übernächsten Steg durch den Wind an den Wellenbrecher geknallt wurde. Von der Zweimann-Besatzung war der Eine auf den Steg gesprungen und statt, dass er die Leine am Poller anmachte behielt er sie in der Hand. Das Boot wurde dann durch den starken Wind vom Steg weggedrückt und der Mann konnte die Yacht natürlich mit Manneskraft nicht halten. Somit musste er die Leine loslassen welche nun prompt in die Schiffsschraube geriet und das Segelschiff damit manövrierunfähig machte. Der Mann an Bord konnte nur noch untätig warten bis sein Schiff erst mit dem Bugspriet in den Wellenbrecher krachte und dann vom Wind seitwärts angedrückt wurde. Immerhin hat ihn der Wind einfach angedrückt und nicht noch weitergetrieben. Etwa eine Viertelstunde später wurde die Rennyacht von einem Boot der Hafenbehörde abgeschleppt.
Für uns war es an der Zeit fürs Abendessen ins Hafenrestaurant zu wechseln. Die Fajitas waren lecker aber scharf und das Live-Konzert welches im Lokal ab 21:30 geboten wurde, veranlasste uns sehr schnell dann doch den Abend lieber auf KISU ausklingen zu lassen.

Heute Samstag lassen wir es gemütlich angehen und geniessen das Nichtstun 😊

Gaby