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Da wir es am vergangenen Samstag nicht bis Brighton geschafft haben, war dies heute Montag unser Tagesziel. Nur ein kleiner Hüpfer diesmal, daher wurde ausgeschlafen und dann ausgiebig gefrühstückt. So gestärkt konnten wir uns dem Beachy Head erneut stellen in der Hoffnung, dass er uns gegenüber gnädiger gestimmt war. Und siehe da, die Wellen waren kein Problem und es besuchte uns fast an der Stelle wo wir umkehren mussten ein Delphin, der ein paar Mal neben und hinter KISU aus dem Wasser sprang. Wir nahmen das als gutes Omen mit auf den Weg und motorten gemütlich am Beachy Head und den Seven Sisters vorbei. Bald darauf überquerten wir den Nullmeridian von Greenwich. Wo auf unserer Anzeige bisher immer die Position mit O angezeigt wurde, steht ab heut ein W. Nun sind wir also wirklich auf der westlichen Hemisphäre unterwegs!
Und dann konnten wir zum ersten Mal auf unserer Reise Segel setzen. Wurde aber auch Zeit! Nur mit der Genua liessen wir uns eine Stunde lang bis kurz vor die Hafeneinfahrt von Brighton ziehen. Zugegeben, teilweise hatten wir nur lausige 2 – 3 Knoten Fahrt. Aber was ist das schon gegen das tolle Gefühl endlich den Motor ausschalten zu können und nur noch das Rauschen des Wassers zu hören. Wegen dem machen wir doch überhaupt diese Reise und wegen Sonne, Wärme, etc. Ach ja, und wo ist denn die Sonne? Aha, hinter den Wolken! Und die Wärme? 16 Grad Tageshöchsttemperatur im August und in KISU drinnen wird morgens und abends für eine Stunde die Heizung angeworfen ☹ Wenn wir rausfahren tragen wir T-Shirt, Pullover, Halstuch, Jeans und darüber die dicke Jacke vom Ölzeug und Regenhose. Und Achtung für Alle die die Bordfrau kennen, nun kommt’s: Sie trägt SOCKEN! Natürlich habe ich keine eigenen Socken (habe ich ja noch nie gebraucht) somit klaue ich die vom Skipper. Aber irgendwann biegen wir dann ja auf die Barfussroute ein und dann kann er alle Socken wieder alleine tragen 😊
Über den Hafen von Brighton lohnt es sich nicht wirklich viele Worte zu verlieren. Nach der superschönen Marina der letzten zwei Tage war die Latte natürlich hoch. Aber was wir hier vorfanden war echt ein Kulturschock. Es war wohl alles sauber aber trotzdem wirkte das Ganze irgendwie heruntergekommen und schäbig. Und dies zum gleichen Preis den wir in der vorherigen Marina bezahlt hatten. Fazit für die Hafenwahl: Vergesst Brighton, wählt Eastbourne!

Dienstagmorgen 08:00 machen wir uns auf den Weg zu DEM Segelmekka schlechthin in England: Cowes. Die ersten vier Stunden würden gemäss dem Skipper völlig ereignislos und nur geradeaus ohne Schwierigkeiten sein. Aha. Dann kann ja die Bordfrau zusammen mit dem Autopiloten locker steuern. Locker? Wieso hat heute jeder Fischer von Südengland seine Fischernetze zwischen Brighton und der Isle of Wight ausgelegt. Teilweise mit so kleinen Stöckchen markiert, dass man erst kurz vorher die Gefahr von Netzen entdeckt und dann recht zügig ausweichen muss. Wir möchten nicht wirklich eines dieser Netze in unseren Propeller bekommen. Immerhin habe ich dadurch die Wendigkeit von KISU kennengelernt 😉 Beim Eingang in den Solent (Fahrwasser zwischen dem Festland und der Isle of Wight) übernahm dann der Skipper wieder das Zepter. Mithilfe der Strömung kamen wir mit 8.8 Knoten Speed in eine richtige Rauschefahrt. Wegen der dortigen Untiefen erlebten wir jedoch erneut, wie in kurzer Zeit das Meer übermütig werden kann. Doch diesmal waren wir vorbereitet. In Vollmontur mit Rettungsweste und geschlossenem Niedergang (der Beachy Head hat uns nämlich beim ersten Mal auch einige Liter Wasser den Niedergang runtergespült) hielten wir den anrollenden Wassermassen stand. Der einsetzende Regen machte die Sicht auch nicht wirklich besser und der aufkommende Verkehr mit Frachtern, Hoovercraft und Fähren forderte mal wieder vollen Einsatz. Der Skipper hat sich wie gewohnt mal wieder mit den Fährschiffen angelegt. Eine der Fähren musste tatsächlich wegen KISU ausweichen, was Markus gleich ein fettes Grinsen ins Gesicht zauberte. Möglich, dass der Solent so schön sein soll wie wir hörten. Wir haben jedoch vor lauter Regen und Nebel nicht viel gesehen. Falls ihr euch fragt warum wir bei manchmal garstigem Wetter oder Null Wind trotzdem rausfahren: wir sind etwas unter Zeitdruck. Einerseits haben wir einen Termin am Freitag in Weymouth wo unser Freund Küre für 3 Wochen zusteigen wird und andererseits läuft uns die Zeit für die Biskaya-Querung davon. Optimal wäre der Monat Juni oder auch noch Juli gewesen. Ab Mitte August können dann schon die ersten Herbststürme einsetzten. Da sind wir doch beruhigt dass es noch gaaaanz lange bis Mitte August hin ist.
In der East Cowes Marina liegend sind wir nun gespannt, was uns am heutigen Ruhetag in Cowes so erwartet. Schliesslich sind wir es noch nicht gewohnt, einfach so Sightseeing am freien Tag machen zu können. Bisher standen immer Reparaturen auf dem Programm. Wie ich das aber so sehe, wird es bestimmt ein Tag ganz nach Skippers Geschmack: es soll tolle Shops mit Schiffszubehör geben und jede Menge Segelboote. Let’s go!

Gaby

In eigener Sache: Wir möchten uns hier auch mal bei allen Menschen die sich auf unseren Blog hin per Mail, Chat oder als Kommentar melden, bedanken. Diese Homepage ist ja in erster Linie als Tagebuch für uns gedacht. Umso mehr freut es uns, dass ihr so regen Anteil an unserer Reise nehmt. Schön, wenn wir damit ein bisschen von unserem Feeling an Euch übermitteln können und es spornt uns auch an. Merci.