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Samstagmorgen um 06:15 verliessen wir den Hafen Boulogne-sur-Mer um zu unserer Ärmelkanalüberquerung aufzubrechen und dann noch weiter bis nach Brighton zu kommen. Nachdem wir den Wind in den vergangenen Tagen immer aus Richtung süd-südwest hatten wohin wir auch fahren mussten, hätten wir uns fast freuen können, als der Wind auf West drehte. Naja fast. Ab heute fahren wir nach Westen. Da bitten wir doch unseren Motor….
Durch den starken Wind der vergangenen Tage ist das Meer doch aufgewühlter als erwartet und KISU tanzt ziemlich auf den Wellen herum. Dem Magen der Schiffsfrau kann das jedoch nichts anhaben
😊 Das flaue Gefühl kommt wohl mehr von dem Ungewissen: wie wird das in diesen beiden Verkehrstrennungsgebieten auf dem Ärmelkanal so sein. Das ist eine Art Autobahn auf der die Frachter Vortritt vor allen anderen Schiffen haben. Für uns als Segelschiff bedeutet dies, die ‘Strasse’ in rechtem Winkel direkt zu queren und allfälligen Frachtern den Vortritt zu gewähren, sprich ihnen aus dem Weg gehen. Dazwischen gibt es eine Separation Zone (‘Mittelstreifen’) in der man sich wie gewohnt bewegen kann bis dann noch die ‘Gegenfahrbahn’ erneut direkt zu queren ist. Wie wir das ja als echte Eidgenossen gewohnt sind, haben wir die erste Fahrbahn brav nach Vorschrift im 90° Winkel (ausser als wir einmal leicht ausweichen mussten) überquert. Während der Separation Zone haben wir uns dann nach Süden abfallen lassen, damit wir nicht zu hoch aus der zweiten Fahrbahn kommen würden und haben auch gleich noch die französische Gastlandflagge gegen die englische getauscht. Bei der zweiten Fahrbahn waren wir nun ja schon ‘alte Hasen’ also machten wir weiter etwas Boden Richtung Südengland gut und querten nicht ganz vorschriftsmässig. Wir legen wohl unsere Bünzliart langsam ab obwohl wir doch 15 Jahre in der Quality gearbeitet hatten 😉 Der Südenglischen Küste entlang haben wir uns schon fast wie auf unseren Mittelmeertörns gefühlt. Ruhige See, die Sonne scheint und der Skipper füllt zum ersten Mal auf KISU ein Sudoku aus. Nur der Winterpullover ist vielleicht nicht ganz Mediterran. Wie wir so dahin schippern wird die See allmählich wieder aufgewühlter. Die Frau des Skippers verschläft dies fast, da die Reisetabletten halt extrem schläfrig machen. Kurz diskutieren wir noch ob wir nicht schon in Eastbourne den Hafen anlaufen sollen, entscheiden uns dann jedoch zur Weiterfahrt in der Hoffnung, dass wenn wir um die Seven Sisters Felsen herum wären, es vielleicht ruhiger würde. Der Skipper himself war inzwischen am Steuer, da es für den Autopiloten viel zu ruppig war. Wir wissen auch einen Tag später nicht genau wie sich die See so extrem in kürzester Zeit (innert 10 Minuten) zu so einer Waschküche entwickeln konnte. Wir sahen uns drei bis vier Meter hohen Wellen gegenüber die in sehr kurzen Intervallen auf uns zu rollten und KISU wie einen Spielball hin und her warf. Während wir eine mindestens 4 Meterwelle hinab surften gab es plötzlich einen heftigen Knall und unser Bananaboot welches mit zwei Spannsets an der Reeling festgebunden war flog übers Boot auf die andere Seite. Dank dem, dass wir die Fender am Morgen nur an Deck gelegt hatten da wir ja eh nur Motoren konnten, flog das sehr teure Boot nicht über Bord, sondern drückte einen Fender unter der Reeling durch raus. Und wir haben wirklich grosse Fender! Dies war der Moment wo Markus das Steuer herum riss und wendete damit wir mit Wind und Wellen von hinten aus diesem Strudel herauskommen konnten. Etwa eine halbe Stunde fuhren wir zurück und mussten vor dem Hafen von Eastbourne noch etwa eine Viertelstunde kreisen, da die Seerettung ein manövrierunfähiges Segelschiff am hineinschleppen waren. Durch eine Schleuse ging es in einen wunderschönen grossen Hafen hinein den man vom Meer herkommend gar nicht erwartet hätte. Am Steg angelegt liessen wir unsere Adrenalinspiegel erst Mal sinken und Schadensbegutachtung machen. Alle heil und ausser zwei zerrissenen Spannsets nichts passiert.
Den heutigen Sonntag blieben wir im Hafen und haben wohl vier Stunden mit Überlegungen und Tests für die zukünftige Befestigung unseres Dinghis verbracht. Morgen soll es dann an den Seven Sisters vorbei nach Brighton gehen.

Gaby