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Part one:
Wie geplant, galt es am Mittwoch einen Schiffsmechaniker ausfindig zu machen. Am Morgen zogen wir mit unserem Hackenporsche zum Einkaufen in den naheliegenden Supermarkt los, um unsere Vorräte aufzufüllen. Auf dem Rückweg, es regnete ein wenig, bogen wir dann ins Industriegebiet ab in dem wir gemäss Stadtplan drei Schiffshändler vorfinden sollten. Den ersten fanden wir recht zügig, waren jedoch nicht sicher, ob er der Richtige wäre. Es soll nämlich weiter hinten noch einen Händler geben der auf Bordelektrik spezialisiert sei. Also genau der Fachmann der uns sicher mit unserem Anlasserkabel helfen kann. Es goss inzwischen in Strömen, aber wir liefen tapfer weiter und suchten und suchten und suchten und fragten schliesslich in einer Brasserie nach. Der nette Kellner erklärte uns, dass dieser Händler zugemacht hätte. Wir sollen besser nach links zur Hauptstrasse und dann rechts und beim Kreisverkehr abbiegen und … Am Schluss standen wir vor dem ersten Geschäft. Nun denn, frohen Mutes eingetreten, der Herr hinter der Theke begriff auch schnell was unser Problem war und wie es zu lösen wäre, wenn nur sein einziger Mechaniker der uns helfen könnte nicht zurzeit in den Ferien weilen würde. Aber wir sollen doch ganz hinten im Industriequartier neben einer Brasserie in den ersten Stock… Ja, aber der hat doch geschlossen! Nein hat er nicht. Also alles zurück auf Anfang. Muss ich erwähnen, dass es immer noch regnete? Markus entdeckte dann tatsächlich den Aufgang in den besagten ersten Stock. Leider war dieser Händler bereits irgendwo unterwegs am Arbeiten. Der dritte Händler konnte uns ebenfalls nicht weiterhelfen. Immerhin, inzwischen hatte der Regen etwas nachgelassen. Zurück auf KISU (wir mussten die Heizung anwerfen) versuchten wir den Spezialisten per Telefon zu erreichen. Vom Anrufbeantworter wurden wir auf eine andere Telefonnummer verwiesen, da er unterwegs sei. Auf dieser Nummer kam ein Anrufbeantworter, welcher uns auf die erste Nummer verwies. Zwischenzeitlich hatte Markus per SMS Kontakt mit unserem Mechaniker in Holland aufgenommen und es wurden Fotos, Tipps und Ratschläge hin und her geschickt. Da es scheinbar so schwierig war einen fähigen Mechaniker aufzutreiben gab es für den nächsten Tag nur einen Weg:

Part two:
Donnerstagmorgen – der Skipper höchstpersönlich wird als Mechaniker fungieren! Als erstes galt es herauszufinden, ob sämtlich benötigtes Material vorrätig war. Es war! Nun musste Platz geschaffen und Abdeckungen entfernt werden um Mass für das zu ersetzende Anlasserkabel 50mm² nehmen zu können. Passende Länge abgesägt (bei dieser Kabeldicke reicht schneiden nicht mehr) und nun alle Kupferlitzen in den passenden Rohrkabelschuh gesteckt. So und wie pressen wir diesen Kabelschuh nun zusammen? Auch hierfür hat unser hochqualifizierter Bordmechaniker Markus eine Lösung. Den Kabelschuh in den Anschlag des Wantenschneiders eingeklemmt und mit dem Gewicht des Skippers und der Hebelwirkung schaffen wir es tatsächlich dieses Ding recht gut zu quetschen. Das war der einfache Teil – nun geht es ans einbauen. Wie den Fotos unten zu entnehmen ist bleibt einem da nicht viel Platz. Aber mit vereintem Einsatz schafften wir es dieses Kabel auszutauschen. Ein Test mit laufendem Motor und Amperemeter brachte ein sattes Grinsen ins Gesicht vom Skipper. Was braucht KISU einen fremden Mechaniker, wenn sie Markus hat. Als wir uns das defekte Kabel genauer ansahen wurde uns erst so richtig bewusst, wieviel Glück wir gehabt hatten. Es hätte auch ein Brand daraus entstehen können.
Voll motiviert von so viel Erfolg nahmen wir uns gleich noch unsere 8 Fender vor. Für das Aufpumpen der Fender verwenden wir eine Taucherflasche und ein Druckreduzierventil (1. Stufe) das speziell für diesen Zweck umgebaut wurde (Merci Olivier) und eine Luftdüse. Funktioniert spitzenmässig und erspart uns so jedes Mal den Gang mit den Fendern zum nächsten Shipchandler. Was uns nach unseren gestrigen Erfahrungen nur recht sein kann 🙂
Nun hatte wir uns eine Auszeit verdient und so bummelten wir (man könnte es auch bergsteigen nennen so steil war der Aufstieg) am Nachmittag in die Altstadt von Boulogne-sur-Mer. Diese Altstadt ist gebildet von der Befestigungsanlage, die unter anderem das Schloss-Museum, die Basilika und den Wachturm birgt. Die Basilika Notre Dame war sehr beeindruckend und der Rundgang oben auf der Befestigungsanlage ein Spaziergang mit toller Aussicht über die Stadt. Zurück auf KISU liessen wir den Tag geruhsam ausklingen, immer wieder fasziniert über den 8 bis 10 Meter hohen Tidenhub den man hier erlebt. Da kann der Gang bei Ebbe zur Hafenanlage hinauf beziehungsweise zu KISU hinunter schon mal ein Gefälle von mehr als 45% aufweisen.

Gaby