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Wir haben diesen Sommer drei Wochen auf unserem Schiff verbracht. Segeln waren wir aus diversen Gründen eher selten. Immerhin konnten wir unser 80m2 Code Zero ausprobieren (für Nichtsegler: Ein Code Zero ist ein sehr grosses Vorsegel aus feinstem Laminat, das bei leichten Winden eingesetzt wird).
Im Hafen konnten wir gute Kontakte knüpfen und haben viele tolle, manchmal auch weniger gute Tipps zur Ausrüstung und zur Pflege des Schiffs erhalten. Ab und zu sind wir schon die Exoten mit unseren Drinks, Apéros oder Essen im Cockpit, so wie wir uns das aus dem Mittelmeer gewohnt sind. Eine Seglerin meinte zu ihrem Mann „hast Du gesehen, die haben sogar echte Rotweingläser“. Was natürlich nicht stimmt, die Gläser sind aus Polycarbonat und unzerbrechlich, sehen aber sehr echt aus.
Den Mast haben wir zweimal erklommen, zuerst um eine zusätzliche Leine zu befestigen, dann waren wir so ungeschickt und haben das Lazy Jack (Bergesystem für Grosssegel) runtergerissen. Komisches Gefühl so 15 Meter über dem Schiff im Seemannsstuhl zu baumeln. Dank Elektrowinsch bringt selbst die Skipperin den nicht gerade leichtgewichtigen Allrounder in den Mast hoch.
Im Mai wurde unser Beiboot, ein Kunststoff-Faltboot vom Typ Banana®-boot 325 geliefert. Zusammengefaltet braucht es nicht mehr Platz als ein Surfbrett, das Ausklappen soll gemäss Gebrauchsanweisung einfach gehen. Dem stimmen wir an Land zu, versuch das aber mal an Bord eines Segelbootes. Als Antrieb (nebst den Paddeln) haben wir einen Elektro-Aussenborder von Torqeedo (Travel 1003) mit geschätzten 3PS. Die erste Ausfahrt des Skippers war abenteuerlich, da durch das Gewicht des Piloten und des Motors das Boot so steil im Wasser stand, dass das Boot von hinten geflutet wurde. Zu zweit (Beifahrer im Bug) fährt es sich dann aber gut.
Ende Oktober wurde KISU ausgewassert. Da hiess es: Wassertanks leeren, Segel und sämtliche Leinen entfernen, Grossbaum demontieren und natürlich alles gut dokumentieren, so dass wir im Frühjahr dann alles wie gehabt wieder montieren können. Nach dem lösen von Wanten und Stagen hat die Werft den 17 Meter langen Mast demontiert und per Kran an Land gehievt. Anschliessend wurde unser Schiff aus dem Wasser gehoben und auf einen Transportbock abgestellt. Der Unterboden war überwachsen mit Algen und wurde von einem Werftangestellten mit dem Hochdruckreiniger gesäubert. Zum Schluss wurde KISU mit einem Traktor zur Winterhalle gezogen und geschoben.

Über die Wintermonate folgt nun der Ausbau auf ein langfahrttaugliches Schiff. Dies beinhaltet:
– Energiemanagement (Solarzellen, Hochleistungslichtmaschine, Energiesteuerung),
– Kommunikation (12V Bord-PC mit Monitor, Kurzwellentransceiver, Pactor Modem, Satellitentelefon, WIFI Hotspot & Mobilfunk mit Mastantenne)
– Sicherheitsequipment (Wetterstation, ACR Notsender, Rescue Radar Transponder SART, AIS Transponder, zusätzliche und unabhängige Navigationssoftware als Second Source)
– Watermaker (macht aus Salzwasser Süsswasser)
– Windfahnenselbststeuerungsanlage (braucht keine Elektrizität)
– Komfort (Umbau einer Gästekabine zu Lagerraum, zusätzliche Schränke und Schubladen, Kombibackofen mit Mikrowelle, Steamer, Grill & Crisp)
– Sonnenschutz (Bimini-Top)
– Sturmsegel
Im April 2017 wird dann wieder Mast gesetzt und eingewassert. Am Ende ist unsere KISU dann mindestens eine Tonne schwerer und liegt somit auch tiefer im Wasser.

Markus und Gaby